Zeus Strom AG: Insolvenzverwalter legt Zwischenbericht vor / Piller will gegen Klatt-Lauterbach klagen

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Seit Juli 2000 läuft das Insolvenzverfahren gegen die Hamburger Zeus Strom AG. Das Unternehmen hatte als eines der ersten die Chancen eines liberalisierten Strommarkts genutzt und bundesweit Strom für einen sensationell günstigen Preis von 23,7 Pfennig pro Kilowattstunde ohne weitere Gebühren angeboten (die ganze Geschichte um Zeus lesen Sie in unserem special).


Als im Sommer dieses Jahres klar wurde, dass Zeus die gegebenen Versprechen nicht halten kann und die Zahlungsunfähigkeit eintrat, standen etwa 40 000 Kunden zunächst im Dunkeln. Sie alle hatten vermutet, dass ihr Strom bereits vom Hamburger Newcomer geliefert wurde. Genau wussten es die meisten von ihnen allerdings nicht, denn die Informationspolitik von Zeus ließ sehr zu wünschen übrig. Was das strom magazin damals schon vermutete, wurde jetzt vom Insolvenzverwalter, dem Hamburger Rechtsanwalt Axel Breutigam, bestätigt: In seinem Bericht vom 8. November 2000 sieht er die Gründe der Insolvenz nicht in der Akquirierung von Kunden sondern in der Organisation der Geschäftsabläufe. "Die Schuldnerin war zwar akquisitatorisch offensichtlich erfolgreich, organisatorisch jedoch völlig überfordert. Die Vielzahl der Vorgänge führte zu einem nicht mehr zu bewältigenden Chaos, mit der Folge der schon erwähnten Proteste der Kunden, EVU’s und Banken." Sein bitteres Fazit: "Das Ende war damit vorprogrammiert."


Breutigam selbst hat es bisher nicht geschafft, sich Zugang zu allen Unterlagen zu verschaffen. So liegt beispielsweise ein Jahresabschluss 1999 überhaupt nicht vor. Vom strom magazin auf diese Missstände angesprochen, schiebt der ehemalige Vorstandschef Cersten Klatt-Lauterbach die Schuld nach München zu seinem ehemaligen Geschäftspartner Ralph Piller. Dieser hätte sich alle Unterlagen zur Prüfung geholt und somit eine ordnungsgemäße Buchführung verhindert. "Schon das zeigt, dass ich Herrn Piller nicht mit geschönten Zahlen überzeugt habe. Er hatte zu jeder Zeit Einblick in die Vorgänge der Zeus Strom AG", so Klatt-Lauterbach in einem Telefongespräch mit dem strom magazin.


Das sieht der Münchner Geschäftsmann Ralph Piller anders. Er hatte sich zu Beginn dieses Jahres in die Zeus AG eingekauft und wurde Partner von Klatt-Lauterbach. Von beiden gibt es unterschiedliche Aussagen über diese Partnerschaft, laut Bericht des Insolvenzverwalters gehören Ralph Piller zwei Drittel des Unternehmens, die er durch eine Stammeinlage von 33 334 Euro erhielt. Fakt war allerdings, dass sich Piller und Klatt-Lauterbach schon kurz nach Einzug Pillers in das Unternehmen nicht mehr verstanden. Piller behauptet heute, Klatt-Lauterbach hätte ihn mit "geschönten Zahlen" gelockt. Während sich Klatt-Lauterbach sicher ist, immer rechtmäßig gehandelt zu haben, will Piller jetzt den Teil des Geldes zurück, den er Klatt-Lauterbach nach eigenen Angaben privat gezahlt hat. Dabei geht es immerhin um 450 000 DM. Die Ironie: Ralph Pillers neuer Anwalt ist ein ehemaliger Geschäftspartner von Cersten Klatt-Lauterbach.


Wie auch immer dieser private Rechtsstreit ausgehen wird, die Hoffnungen derer, die noch Geld von der Zeus Strom AG bekommen, sind verschwindend gering. Dazu gehören nicht nur zahlreiche Kunden, die ihren Strom zum Teil doppelt zahlen mussten, sondern auch Zeus-Vertriebspartner, die diese Pleite nur schwer verkraften konnten. Dem Insolvenzverwalter liegen etwa 2000 Forderungsanmeldungen vor, wovon bisher 1340 erfasst worden sind. Sie haben eine Höhe von etwas mehr als 2,4 Millionen DM. Sein trauriges Fazit: Die Kosten des Verfahrens seien gedeckt, nicht jedoch die sonstigen Masseverbindlichkeiten. "Es besteht für die Insolvenzgläubiger mithin keine Quotenaussicht." Bleibt also der Ausgang des Verfahrens abzuwarten - es sieht jedoch nicht danach aus, als ob irgendjemand sein Geld noch bekommen würde.


Cersten Klatt-Lauterbach arbeitet derzeit wieder als Energieberater in seiner alten Firma "Energy Consulting". "Ich bin gut beraten, wenn ich wenn ich im Beratergeschäft bleibe", zieht er selbstkritisch Fazit aus der vermasselten Geschichte mit Zeus. Ihm seien keine Forderungen von Piller an ihn persönlich bekannt. "Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen und bin gern zu Gesprächen mit Herrn Piller bereit", schlägt er versöhnliche Töne an.

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