Zeus plant Rückzug aus Privatkundengeschäft - Kunden wird Wechsel zu best energy nahegelegt - FHE kündigt juristische Schritte an

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Nach der Vossnet-Pleite steht der zweite Strompreis-Dumper vor dem Aus - zumindest was das Privatkundengeschäft angeht. Die in Hamburg ansässige Zeus Strom AG wird dieser Tage alle ihre Privatkunden anschreiben und diesen einen Wechsel zur Best Energy GmbH (Berlin) nahe legen. Grund: Die Zeus Strom AG, die sich in den vergangenen Wochen aufgrund mangelnder Service-Leistungen und einer geradezu nicht-vorhandenen Öffentlichkeitsarbeit massiver Kritik ausgesetzt sah, habe einen Investor gefunden, der dem Unternehmen die Auflage gemacht habe, sich aus dem Privatkundengeschäft zurückzuziehen. Dies sagte Henning Borchers, Geschäftsführer der best energy GmbH, dem strom magazin auf Anfrage. Borchers bezieht sich dabei auf Aussagen des Zeus-Geschäftsführers Cersten Klatt-Lauterbach. Dennis Kissel, Prokurist des FHE-Entsorgungsverbandes, kündigt derweil juristische Schritte gegen Zeus an. Der FHE als ehemaliger Vertriebspartner der Zeus Strom AG warte nämlich nach wie vor auf ihm zustehende Provisionen für vermittelte Kunden - und zwar in Höhe von 300.000 Mark.



Dem Vernehmen nach sollen zwischen 40.000 und 50.000 Privatkunden bei der Zeus Strom AG oder einem ihrer (ehemaligen) Vertriebspartner einen Stromliefervertrag unterschrieben haben. Diese sollen nun allesamt ein Schreiben zugestellt bekommen, in dem die Zeus Strom AG mitteilt, dass die Verträge mit den Kunden gekündigt würden. Um nicht auf die Pflichtversorgung der Regionalversorger zurückgreifen zu müssen, legt Zeus seinen Kunden zugleich einen Wechsel zur best energy GmbH nahe, dem gemeinsamen Tochterunternehmen der Berliner Bewag und der MobilCom. Kunden, die sich für den Wechsel entscheiden, würden dann, so best energy-Geschäftsführer Borchers, an die Preise und Vertragsbedingungen der best energy GmbH gebunden sein. Der von Zeus in Aussicht gestellte Preis sowie die Vertragsbedingungen des Hamburger Billig-Anbieters sind in jedem Fall hinfällig. Betroffene Kunden müssen das Angebot wohlgemerkt nicht wahrnehmen, sondern stehen nunmehr vor drei Alternativen: Entweder sie bleiben bei ihrem Regionalversorger und greifen auf dessen (Pflicht-) Versorgung zurück oder sie wechseln eben auf freiwilliger Basis zur best energy GmbH oder zu einem anderen Anbieter. Kurzfristige Unannehmlichkeiten dürften durch die Tatsache entstehen, dass der Wechsel "nicht von heute auf morgen" geht, sondern sicherlich vier bis sechs Wochen oder länger in Anspruch nimmt. Während dieser Zeit sind wechselwillige Kunden wieder auf die gesetzliche Pflichtversorgung ihres Regionalversorgers angewiesen.



Durch dieses Vorgehen werden zwar keine Kundendaten verkauft, doch hat die Sache - so sieht es der für den FHE-Strompool verantwortliche Dennis Kissel - einen gewaltigen "Haken": Die Zeus Strom AG erhalte für alle Kunden, die zur best energy GmbH wechseln, eine Provision. Nun hat Zeus selbst aber die wenigstens seiner Kunden aus eigener Kraft akquiriert - das haben vielmehr die einstigen Vertriebspartner der Zeus Strom AG gemacht, darunter auch der FHE. Besagte Provision, so best energy-Chef Borchers, wolle Zeus eigenen Angaben zufolge zwar an ihre ehemaligen Vertriebspartner weiterleiten, doch sind diese mittlerweile offensichtlich an der Grenze ihrer Geduld angelangt. Wie Kissel gegenüber dem strom magazin sagte, sei die Zeus Strom AG dem FHE Entsorgungsverband noch rund 300.000 Mark schuldig - Geld, das sich zum einen aus den Provisionen vermittelter Kunden und zum anderen aus anteilig entstandenen Call Center-Kosten zusammensetzt.



Dennis Kissel jedenfalls hat es den Zeus-Verantwortlichen bereits untersagt, die vom FHE akquirierten Kunden mittels besagten Anschreibens an best energy "weiterzuleiten". Damit nicht genug: Aufgrund der hohen noch ausstehenden Kosten ziehe der FHE, so Kissel, eine Schadensersatzklage und gegebenenfalls sogar die Einleitung eines Insolvenzverfahrens gegen die Zeus Strom AG in Erwägung.



Zeus-Geschäftsführer Cersten Klatt-Lauterbach war erneut für keine Stellungnahme zu erreichen. Dem Vernehmen nach soll die Zeus Strom AG jedoch am kommenden Montag eine Presseerklärung zur Zukunft ihrer Kunden abgeben - eine zweifellos längst überfällige Maßnahme.



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