Zeus-Chef Klatt-Lauterbach: "Das Ding ist erledigt"

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
"Wir sind nicht verschuldet, aber zahlungsunfähig". Sechs Worte, gleichbedeutend mit dem Ende eines Unternehmens. In diesem Fall trifft es den Hamburger Billigstrom-Anbieter Zeus Strom AG. Zeus-Chef Cersten Klatt-Lauterbach hat gestern Insolvenzantrag gestellt. Heute äußerte er sich erstmals zu den Geschehnissen der letzten Wochen in einem ausführlichen Telefongespräch mit dem strom magazin.


Er habe den Insolvenzantrag aus "Sicherheitsgründen" gestellt, damit ihm niemand Konkursverschleppung vorwerfen könne. "Wir kommen derzeit an unser Konto nicht ran, da die Banken bei Einzugermächtigungen eine Verfügung erst nach der 6-Wochen-Rückholfrist genehmigt", begründet der Zeus-Chef diesen Zustand. Er scheint selbst etwas ratlos, war er doch bisher in seinem Berufsleben immer erfolgreich gewesen. Er gibt gegenüber den strom magazin zu, viele Fehler gemacht zu haben. Denn Betrugsvorwurf will er aber nicht auf sich sitzen lassen: "Für meine Arbeit stehe ich mit allen Konsequenzen gerade, den Vorwurf des Betrugs werde ich aus der Welt schaffen", macht er deutlich. Er ist nach wie vor davon überzeugt, etwas von der Energiebranche zu verstehen, gesteht aber ein, dass die Arbeit allein nicht zu bewältigen war.


"Wir haben zwischen 15 und 20 Gespräche mit Investoren aus der Energiebranche, der Internetbranche, Bauträgern und Privatpersonen geführt. Das letzte haben wir vergangenen Donnerstag erfolglos beendet, weil das nötige Vertrauen nicht zustande kam", resigniert der 40-Jährige. Zusammen mit Partnern, die Geld, Equipment und Energie zur Verfügung stellen sollten, hätte das "Chaos" bewältigt werden können. Darauf hatte Klatt-Lauterbach seit Wochen gehofft, hatte die fällige Entscheidung um die Zukunft seines Unternehmens wieder und wieder verschoben. Gestern hat er sie getroffen und fühlt sich erleichtert: "Jetzt ist bei mir eine gewisse Entspannung eingetreten."


Was wird nun aus den Zeus-Kunden? Eine Frage, die auch Klatt-Lauterbach nicht beantworten kann. Seinen Angaben zufolge, hat die Zeus Strom AG 28 600 Privatkunden tatsächlich mit Strom versorgt, hinzu kommen 3200 Kunden aus West Berlin und 2100 Kunden aus Ost Berlin, deren Belieferungszustand mit der Bewag erst noch geklärt werden muss. "Die Kunden werden eine Schlussabrechnung bekommen", sicherte Klatt-Lauterbach zu. Inwiefern er Vereinbarungen mit dem Berliner Energieversorger best energy einhalten kann, bleibt weiterhin unklar. Eigentlich hatten Zeus und best energy ausgemacht, dass Zeus alle Kunden anschreibt und ihnen den Wechsel zu best energy empfiehlt. Diese Vereinbarung bestätigte best energy-Geschäftsführer Henning Borchers heute erneut im Gespräch mit dem strom magazin. Allerdings laufen dagegen die ehemaligen Zeus-Vertriebspartner Sturm: Der FHE-Entsorgungsverband und die 1A Energieversorgung haben gegen die Weitergabe der von ihnen akquirierten Kunden eine einstweilige Verfügung erwirkt. "Es ist eine neue Situation entstanden, das weitere Vorgehen muss jetzt noch mal geprüft werden", kündigt der best energy Geschäftsführer Borchers an. Für die Gewerbekunden soll ebenfalls ein reibungsloser Ablauf ermöglicht werden, Klatt-Lauterbach führt nach eigenen Angaben gerade Verhandlungen.


In den kommenden Wochen wird Cersten Klatt-Lauterbach zusammen mit dem zuständigen Insolvenzverwalter erst einmal Licht ins Dunkle bringen müssen. Dabei werden auch die Provisionsforderungen der ehemaligen Vertriebspartner bewertet, denn die sieht Klatt-Lauterbach noch lange nicht im Recht. "Dann wird erst mal Klartext geredet", zeigt er sich kampfeslustig. Überhaupt hat er trotz alledem nicht das Interesse am Energiemarkt verloren. "Ich werde den Insolvenzverwalter mit allen Kräften unterstützen, damit wir das Kapitel Zeus sauber beenden können. Wie es dann weiter geht, weiß ich derzeit noch nicht. Aber es wird weitergehen, ich glaube immer noch an den Markt!"


Was bleibt, ist der bittere Nachgeschmack. Es ist fraglich, ob der ohnehin eher "zarte" Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt eine weitere Pleite überhaupt verträgt.

Das könnte Sie auch interessieren
Top