Bis Jahresende

Zeitplan für Schließung des Atommülllagers Asse vorgelegt

Bundesumweltminister Gabriel und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) haben offiziell einen Plan zur Schließung des maroden Atomlagers Asse vorgelegt. Gabriel warf CDU und Atomwirtschaft dabei am Donnerstag vor, "immer die billigste Lösung gewollt und damit eine sichere Endlagerung vor die Wand gefahren" zu haben.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Remlingen (afp/red) - Gabriel präsentierte den Plan bei einem Besuch des Lagers Asse in Remlingen bei Wolfenbüttel. Demnach soll am Jahresende auf der Basis von Gutachten über die verschiedenen Optionen zur Schließung entschieden werden. Dabei geht es darum, ob der Müll zurückgeholt, in tiefere Schichten umgelagert oder Asse mit Spezialbeton verfüllt wird.

In der Asse lagern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Das ehemalige Salzbergwerk ist einsturzgefährdet. Auch bedrohen ständige Wasserzuflüsse das Ziel einer sicheren Endlagerung. Da derzeit die Standsicherheit des alten Bergwerks nur noch bis zum Jahr 2020 gegeben ist, untersucht das BfS laut Gabriel weitere technische Möglichkeiten, um die Grube darüber hinaus für bis zu weitere 14 Jahre zu stabilisieren: "Wir wollen die Zeitachse so weit wie möglich spannen".

Gabriel sieht "keine Chance mehr für Gorleben"

Der Umweltminister zeigte sich zudem überzeugt, dass das geplante Atomendlager in Gorleben wegen rechtlicher Probleme niemals gebaut wird. "Ich sehe keine Chance mehr für Gorleben", sagte Gabriel in Remlingen. Die Verantwortung dafür wies er Bundeskanzlerin Merkel zu. Sie habe sich 2006 seinem Vorschlag verweigert, Gorleben weiter zu erkunden und zugleich nach anderen möglichen Standorten in Süddeutschland zu suchen: "Die Bundeskanzlerin wollte sich in dieser Frage nicht mit den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg anlegen". Jetzt scheitere das Projekt in Gorleben, weil absehbar die Pachtverträge für die Erkundungsflächen auslaufen.

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin kritisierte im Fernsehsender N24 mit Blick auf die Sanierung in Asse, dass der Steuerzahler für die Beseitigung der Schäden durch den Atommüll aufkommen solle - statt jene in Haftung zu nehmen, die diesen Müll produziert hätten. Der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Hans-Kurt Hill, warf Gabriel vor, seine "Parolen" zu den Endlagern seien "unglaubwürdig". Erst im Wahlkampf ziehe er Konzepte zur Schließung von Asse und für den Standort Gorleben aus der Tasche.

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