Forderungen

Zähe Klimaverhandlungen in Cancun

Umweltschützer fordern bei der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún deutliche Zugeständnisse der europäischen Staaten. Der Leiter des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, dämpfte aber bereits die Erwartungen an einen Erfolg bei der Konferenz. Noch bis Freitag verhandeln in Mexiko Vertreter aus 194 Staaten über konkrete Schritte im Kampf gegen den Klimawandel.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Gerungen wird immer noch um ein Nachfolgeabkommen für das sogenannte Kyoto-Klimaprotokoll, das 1997 beschlossen wurde und dessen erste Verpflichtungsperiode Ende 2012 ausläuft. Nach der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen im vergangenen Jahr soll in Cancún nun die Grundlage für ein solches Abkommen gelegt werden.

In langen Beratungen hinter verschlossenen Türen hatten die Arbeitsgruppen in der vergangenen Woche Vorschläge erarbeitet, die auf die Zustimmung der Minister am kommenden Freitag warten. Am Wochenende kamen die Beratungen einen kleinen Schritt voran. Die Delegierten legten am Samstag einen überarbeiteten Entwurf für den geplanten Klima-Fonds vor. Die Industrieländer hatten beim Gipfel in Kopenhagen ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar (74,5 Milliarden Euro) versprochen, um Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Aus dem Fonds sollen umweltschonende Technologien und Schutzmaßnahmen gegen den Klimawandel finanziert werden.

Zähe Verhandlungen in Cancun

Insgesamt laufen die Verhandlungen jedoch nur schleppend. Besonders strittig sind die Fragen der Reduktion von Treibhausgasen und der Transfer umweltschonender Technologien in Entwicklungsländer.

Der Leiter des UN-Umweltprogramms, Steiner, sieht keine Chance für einen Erfolg bei dem Gipfel. "Cancún ist sicherlich nicht der Gipfel, der uns den Durchbruch bringen wird", prognostizierte er. Die Konferenz dort sei aber "absolute Voraussetzung dafür, dass es in der internationalen Klimapolitik weitergeht". Besonders China und die USA müssten einen Kompromiss finden. Beide Staaten täten sich damit aber schwer. Beide waren beim Kyoto-Protokoll außen vor geblieben.

Umweltschützer: "Europa muss vorlegen"

Der BUND-Vorsitzende Weiger rief die europäischen Staaten auf, mit weitgehenden Zusagen voranzugehen, um wieder Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Wenn die EU hier vorlege, würden andere Staaten «unter Zugzwang gesetzt und das Prinzip des 'keiner bewegt sich zuerst' wäre durchbrochen». Eine hoch industrialisierte Region wie die europäische sei wegen ihrer bisherigen CO2-Emissionen nicht nur stärker verantwortlich für den Klimawandel als andere Teile der Welt. Sie trage auch eine größere Verantwortung beim Klimaschutz und müsse diese endlich wahrnehmen. Weiger warnte, es räche sich bitter und werde zunehmend teurer, wenn die EU weiter auf die übrige Welt warte, bevor sie handele.

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