Vorwürfe

WWF warnt vor Umweltrisiken durch geplante Ostseepipeline

Das Betreiberkonsortium der geplanten Ostseepipeline, Nord Stream, hat Warnungen der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) vor unabsehbaren Risiken durch den Bau und Betrieb der geplanten deutsch-russischen Gastrasse zurückgewiesen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Stralsund (ddp/red) - Bei der Erstellung der jetzt eingereichten Genehmigungsunterlagen stütze man sich auf Untersuchungsmethoden, die mit den jeweiligen Behörden der Anrainerstaaten abgestimmt worden seien, sagte Nord-Stream-Sprecher Jens Müller. "Wir haben auch keine Risiken verharmlost", fügte er hinzu. Die in den Unterlagen aufgeführten Zahlen über eventuelle Umweltbelastungen werde Nord Stream mit Rücksicht auf die laufende behördliche Prüfung derzeit nicht kommentieren.

Unterdessen forderte der WWF den Antragsteller zu Nachbesserungen des Konzepts auf. Der aktuelle Bericht von Nord Stream beruhe vielfach auf nicht belegbaren Annahmen und Spekulationen, kritisierte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp, in Stralsund. Unter anderem verwies er auf chemische Waffen, Minen und gefährliche chemische Rückstände aus den Weltkriegen auf dem Ostseegrund, die während der Bauarbeiten entsorgt werden müssten.

Zudem würden nach Angaben des Betreibers bei der Trassenverlegung rund 12 000 Tonnen Phosphate aus dem Meeresgrund wieder in die Ostsee gespült. Das entspreche etwa einem Drittel des jährlichen Gesamteintrags in die Ostsee und könnte im schlimmsten Fall zu vermehrter Algenbildung, Sauerstoffmangel und der Ausbreitung bereits vorhandener sogenannter Todeszonen führen, sagte Lamp.

In dem Bericht von Nord Stream für das laufende Genehmigungsverfahren zur Umweltverträglichkeit würden die Folgen für das Ökosystem durch die Sprengung von Minen, die Freisetzung von Schadstoffen oder die Überdüngung der Ostsee durchweg als unerheblich bezeichnet, wurde kritisiert. Auch zu möglichen Kompensationsmaßnahmen finde sich in dem 4000 Seiten umfassenden Papier gerade einmal ein halbseitiger Absatz, sagte Lamp.

Nord Stream will bis zum Jahre 2012 die aus zwei Strängen bestehende Ostseepipeline vom russischen Vyborg zur deutschen Anlandestation Lubmin errichten. Über die rund 7,4 Milliarden Euro teure Trasse sollen jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach West- und Südeuropa fließen.

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