Prognose

Wissenschaftler: CO2-Abgabe treibt Strompreis nach oben

Der Kölner Energiewissenschaftler Markus Peek sieht den Hauptgrund für die Strompreissteigerungen dieses Jahres im Kohlendioxyd (CO2)-Zertifikatehandel. Die Zusatzkosten für den CO2-Ausstoß hätten die Erzeuger so schnell nicht kompensieren können, sagte Peek in Leipzig.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Leipzig (ddp/sm) - Erst wenn ausreichend neue Kraftwerke in Deutschland gebaut seien, die weniger Kohlendioxyd ausstoßen, werde dieser Teil des Strompreises auch wieder sinken. Davon könnten dann teilweise auch die Verbraucher profitieren.

Die Zahl der Kraftwerke machte Peek auf einer Veranstaltung der Europäischen Strombörse EEX ebenfalls für den rasanten Anstieg der Großhandelspreise für Strom seit der Liberalisierung des Marktes 1998 mitverantwortlich. Damals habe es ein Überangebot gegeben, seitdem hätten die Erzeuger aber rund zwanzig Kraftwerke stillgelegt und nur zwei neue gebaut. Aus einem Überangebot an Energie sei so ein verknapptes Angebot geworden mit entsprechenden Auswirkungen auf den Preis. Zurzeit sei der Kraftwerkspark in Deutschland veraltet, weil sich Neubauten bei den niedrigen Preisen Ende der 90er Jahre nicht rentiert hätten, sagte Peek, der an der Universität Köln stellvertretender Geschäftsführer des Energiewirtschaftlichen Instituts ist. Damit auch die Preise für den Endverbraucher sinken, müssten vor allem die Durchleitungspreise deutlich fallen, forderte er.

Die zukünftigen Preise für Öl und Erdgas sieht Peek auf ähnlich hohem Niveau wie heute, auch wenn er kurzfristig wieder mit einem Preisverfall rechnet. "In zwei Jahren wird Öl wieder deutlich billiger sein", prognostizierte er. Vor allem die weltweit bereits erschlossenen Fördereserven ließen die Preise wieder fallen. Als Risiko bewertet er hingegen die politische Instabilität in einigen Förderländern, hauptsächlich im Nahen Osten, sowie die zunehmende Konzentration bei der Fördergesellschaften.

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