Rotstift angesetzt

Wirtschaftskrise: Evonik will 300 Millionen Euro sparen

Evonik will sich mit einem umfangreichen Sparprogramm gegen die Wirtschaftskrise stemmen. Schon in diesem Jahr will der Mischkonzern (Chemie, Energie, Immobilien) kurzfristig 300 Millionen Euro weniger ausgeben, wie Vorstandschef Klaus Engel bei Vorlage der Bilanz ankündigte. Ab 2012 sollen jährlich 500 Millionen Euro an Kosten gespart werden.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp.djn/red) - Für rund 3000 Mitarbeiter meldete Evonik nach Angaben Engels seit Jahresanfang bereits Kurzarbeit an. Etwa 100 Millionen Euro will der Konzern in diesem Jahr an Personalkosten sparen, weitere 200 Millionen Euro bei den Sachausgaben. Dennoch geht der Vorstand für 2009 von einem "deutlichen" Umsatzrückgang aus, ohne diesen aber konkreter zu beziffern. "Wie schwierig 2009 tatsächlich wird, weiß heute noch kein Mensch", sagte Engel. Die erwarteten Rückgänge im Geschäft würden sich auch beim Ergebnis bemerkbar machen.

Bereits 2008 musste Evonik einen um zwei Drittel auf 285 Millionen Euro gesunkenen Gewinn verbuchen, der sich neben Sonderbelastungen aus der Wirtschaftskrise aber auch aus 2007 eingefahrenen hohen Erträgen aus der Veräußerung von Unternehmensteilen erklärt. Der Evonik-Umsatz legte unterdessen gegenüber 2007 um zehn Prozent auf 15,8 Milliarden Euro zu. Die Zahl der Mitarbeiter sank um 2000 auf rund 40.800.

Bei Investitionen sparen

Unterm Strich habe sich Evonik "in einem schwierigen Umfeld gut behauptet", bilanzierte Engel. Nicht zuletzt profitiere Evonik von seiner Konzernstruktur: Die vergleichsweise konjunkturrobusten Geschäftszweige Energie und Immobilien könnten helfen, die Ertragseinbrüche in der besonders von der Krise betroffenen größten Konzernsparte Chemie abzufedern, bei der auch in der zweiten Jahreshälfte eine Besserung der Nachfrage noch nicht sicher sei.

Neben der Auflage eines Kostensenkungsprogramms setzt Evonik wegen der Krise außerdem bei den Investitionen den Rotstift an. 300 Millionen Euro sollen hier bei nicht vorrangigen Projekten gespart werden. Insgesamt stehe aber mit knapp einer Milliarde Euro immer noch ein "ordentliches Investitionsvolumen" bereit, sagte Engel.

Wachstumsmarkt Solarenergie

Langfristige Wachstumschancen für Evonik sieht Engel insbesondere bei der Energieerzeugung mittels Photovoltaik und der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos. Dazu hatte Evonik im vergangenen Dezember eine Allianz mit dem Autokonzern Daimler geschlossen. Dort sollen in zwei bis drei Jahren Elektro- und Hybridautos mit Technik von Evonik vom Band laufen. «Bei aller Krisenrhetorik ist klar, dass die großen Entwicklungslinien in weltweiten Volkswirtschaften weiter gelten», betonte Engel.

Den Börsengang sieht der Evonik-Chef durch die Wirtschaftskrise nicht gefährdet. "Mittelfristig" wollten die beiden Haupteigentümer RAG-Stiftung und der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners 74,9 Prozent von Evonik an der Börse platzieren.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Strom sparen

    Börsengang von Evonik rückt näher

    Nach dem Verkauf des Stromerzeugers Steag rückt der Börsengang für den Chemiekonzern Evonik in greifbare Nähe. "Der Schwung ist da, der Erfolg ist da, wenn unsere Eigentümer es wollten, könnten wir mit den Vorbereitungen dafür loslegen", sagte Evonik-Chef Klaus Engel den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe.

  • Strompreise

    Evonik verzeichnet Umsatzrückgang im dritten Quartal

    Der Mischkonzern Evonik - ehemals RAG - hat auch im dritten Quartal die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Wie das Essener Unternehmen am Montag mitteilte, ging der Umsatz von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 20 Prozent auf 3,31 Milliarden Euro zurück.

  • Stromtarife

    EU erlaubt Finanzinvestor CVC Capital Partners Einstieg bei Evonik

    Der luxemburgische Finanzinvestor CVC Capital Partners darf beim deutschen Industriekonzern Evonik - ehemals RAG - einsteigen. Die RAG-Stiftung hatte im Juni einen Evonik-Anteil von 25,01 Prozent für 2,4 Milliarden Euro an CVC verkauft.

  • Stromnetz Ausbau

    Evonik erhöht Prognose - Umsatz und Ergebnis gesteigert (Upd.)

    Der Essener Industriekonzern Evonik hat trotz der US-Finanzkrise, gestiegener Rohstoffpreise und der Dollarschwäche im ersten Halbjahr sowohl Umsatz als auch Ergebnis zweistellig gesteigert. Die drei Konzernsäulen Chemie, Energie und Immobilien seien "wetterfest".

Top