Kein wirtschaftlicher Betrieb

Wingas verzichtet auf Bau von Erdgasleitung in Süddeutschland

Der Kasseler Gasversorger Wingas wird eine geplante 500 Kilometer lange Erdgasleitung durch Süddeutschland nicht bauen. Die Planungen für das rund 600 Millionen Euro teure Projekte seien eingestellt, teilte der Fernleitungsnetzbetreiber Wingas Transport heute mit und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Kassel (ddp-bwb/sm) - Grund für die Entscheidung seien die "zunehmend unklaren Rahmenbedingungen für den Betrieb und Ausbau von Fernleitungsnetzen in Deutschland". Wingas ist ein Gemeinschaftsunternehmen der BASF-Tochter Wintershall und des russischen Konzerns Gazprom.

Wirtschaftlichkeit nicht gewährleistet

Wingas zufolge ist eine nachhaltige und langfristige Wirtschaftlichkeit des konkurrierenden Leitungsbaus nicht mehr gewährleistet. Wegen der staatlichen Preisregulierung sei ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich. Ein weiterer Grund für den Bauverzicht sei die Entscheidung der Bundesnetzagentur auch Ferngasleitungen in die Regulierung einzubeziehen.

Bevor neue Investitionsentscheidungen getroffen würden, müsse geklärt sein, wie eine Energieinfrastruktur auch zukünftig wirtschaftlich genutzt werden könne, sagte der Wingas-Transport-Chef Ingo Neubert. Er forderte in diesem Zusammenhang, "Erdgasinfrastrukturen einem regulierenden internationalen Tarifvergleich zu unterziehen, satt eine bürokratische aller Einzelkosten vorzunehmen".

Minister: EU muss Investitionsanreize schaffen

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) bedauerte die Entscheidung. Die Pipeline hätte eine langfristige Stärkung der Versorgungsstruktur bewirkt und sehr positive Impulse für die Beschäftigung gebracht. Zugleich forderte Zeil von der EU, Investitionsanreize für solche Großprojekte zu schaffen. "Ohne Investitionen sieht es düster aus für den Wettbewerb auf den Energiemärkten und für die Versorgungssicherheit in Deutschland", sagte der Minister.

Die Wintershall wollte die Leitung zusammen mit E.ON-Ruhrgas bauen. In den Leitungen sollte Erdgas aus Russland von der österreichischen Grenze nach Hessen transportiert werden. Wingas Transport verfügt über ein 2000 Kilometer langes Gasleitungsnetz. Das nun gekippte Bauvorhaben war laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" seit 2001 geplant worden.

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