Netze zu schwach

Windkraft: China will auf umweltfreundlichen Strom setzen

Die chinesische Regierung will den Energiehunger der 1,3 Milliarden Chinesen zunehmend mit erneuerbaren Energien stillen. Bislang noch stammen 80 Prozent aus der in dem Land billigen Kohle. Vor allem im windigen Norden und Westen des Landes soll der schmutzige Energieträger aber verstärkt von umweltfreundlichen Windrädern abgelöst werden.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Zhangbei (afp/red) - "Die Menschen sprechen nicht mehr bloß über die Windkraft als möglicher Zukunftsperspektive", sagt Yang Ailun von Greenpeace in China. "Für viele Energieunternehmen ist das bereits Teil ihrer aktuellen Strategie."

Tatsächlich übertrifft der Ausbau der Kapazitäten schon jetzt die kühnsten Erwartungen. Nachdem die Regierung ursprünglich das Ziel ausgegeben hatte, bis 2020 Windräder mit einer Kapazität von insgesamt 30 Gigawatt zu installieren, hat sie die Vorgabe jüngst mehr als verdreifacht: 100 Gigawatt sollen es binnen eines Jahrzehnts werden.

Windkraft-Kapazität jährlich verdoppelt

Seit vier Jahren hat sich die installierte Kapazität jährlich verdoppelt: Von fast null vor ein paar Jahren auf 12,2 Gigawatt Ende 2008. Nach Angaben des internationalen Verbands für Windenergie (GWEC) sind weltweit Windräder mit einer Leistung von 121 Gigawatt installiert - mit den USA, Deutschland und Spanien an der Spitze, gefolgt von China. Das Reich der Mitte holt auf: Im Juni legten die Behörden der nördlichen Provinz Gansu Pläne für die "Drei Schluchten der Windkraft" vor, als Konkurrenz zum gigantischen Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtse.

Doch die installierte Leistung wächst so schnell, dass die Netze bereits jetzt überfordert sind. Ihre Kapazität reicht nicht aus, um die neu gewonnene Energie zu den Verbrauchern zu transportieren. Auch ein Teil der Energie aus Dengs Windpark muss deshalb ungenutzt verpuffen. "Die Entwicklung der Netze hat nicht Schritt gehalten", sagt der Windkraft-Manager. "Das ist ein unvermeidbares Problem mit dem Wind."

Stromnetze zu Schwach für viele Windparks

Deshalb werden nach Angaben des GWEC nur 8,9 der installierten 12,2 Gigawatt in China auch tatsächlich über die Netze transportiert. Einer der Gründe ist auch die abgeschiedene Lage vieler windreicher Regionen, in denen neue Windparks entstehen. Problematisch seien zudem die oft intransparenten Ausschreibungen und die Stromtarife, die zu niedrig seien, um Windräder wirklich profitabel zu machen.

Doch die Regierung habe diese Probleme offenbar erkannt und versuche gegenzusteuern, sagt Qiao Liming, Politikdirektorin im internationalen Windenergie-Verband. So werde ein vergangenes Jahr verabschiedetes Investitionsprogramm helfen, die Netze auszubauen. "Aber das braucht Zeit", sagt die Windenergie-Expertin.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Eingriffe in das Stromnetz verteuern Strompreis

    Eingriffe in das Stromnetz durch die Netzbetreiber werden immer häufiger notwendig. Das kommt auch dem Verbraucher teuer zu stehen, denn die sogenannten "Redispatchmaßnahmen" werden letztendlich über den Strompreis finanziert.

  • Erde

    Studie: Mehr Geld für konventionelle Energien als für Ökostrom

    Einer Kurzanalyse zufolge werden konventionelle Energien im kommenden Jahr deutlich stärker gefördert als erneuerbare Energieträger. Demnach läge eine Umlage für Atom- und Kohlestrom deutlich über der EEG-Umlage.

  • Stromtarife

    Windkraftbranche will bis 2020 Hälfte des Stroms produzieren

    Die deutsche Windkraftbranche hält einen schnellen und drastischen Ausbau der Windenergie in Deutschland für möglich. Bis zum Jahr 2020 könnte demnach drei Mal so viel Windkraft produziert werden wie derzeit von der Regierung vorgesehen.

  • Hochspannungsleitung

    Offenbacher EVO will Windkraft in Hessen ausbauen

    Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) steigt in das Geschäft mit der Windkraft ein und hat dazu mit dem Projektentwickler juwi das Gemeinschaftsunternehmen "Cerventus Naturenergie GmbH" mit Sitz in Offenbach gegründet. Die neue Gesellschaft soll in den nächsten Jahren mehrere Windparks in Hessen planen, bauen und betreiben.

  • Stromnetz Ausbau

    EnBW geht Joint Venture mit Windkraftspezialist ein

    Die EnBW verstärkt ihre Aktivitäten im Bereich der Windkraft. Der Energiekonzern wird hierfür ein Joint Venture mit dem auf Erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmen Altus gründen, wie beide Unternehmen am Mittwoch in Karlsruhe bekanntgaben. Ziel sei, gemeinsam Windenergieprojekte zu entwickeln.

Top