Planungen

Wie der Klimawandel zur Anpassung an Wetterextreme zwingt

Das Umweltbundesamt (UBA) und der Deutsche Wetterdienst (DWD) fordern weiterreichende Schritte zur Anpassung an den sich abzeichnenden Klimawandel. Frühere technologische Normen reichten heute meist nicht mehr aus. Das UBA trat Befürchtungen entgegen, wonach mit dem Temperaturanstieg das Trinkwasser knapp werden könnte.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Dessau (ddp/red) - "Wir müssen unsere Strukturen an die künftigen Bedingungen anpassen", sagte DWD-Präsident Gerhard Adrian am Donnerstag am Rande einer Tagung in Dessau.

Als Beispiele nannte er höhere Deiche, ein noch genaueres Frühwarnsystem oder mehr kühlende und Schatten spendende Grünflächen in den Innenstädten. Die Umweltexperten machten deutlich, dass die Zahl der "heißen Tage" mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland zunehmen werden.

Extreme Wetterereignisse wie starke Niederschläge oder Hitzperioden hätten in den vergangenen Jahrzehnten messbar zugenommen, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Ereignisse wie die schweren Überschwemmungen in Pakistan oder auch die in Sachsen verdeutlichten, wie wichtig es sei, sich auf die Folgen einzustellen.

Flasbarth sagte, inzwischen gebe es "eine sehr vernünftige Diskussion" zum Klimawandel. Wissenschaftler und Umweltschützer seien sich einig, der Klimawandel könne "nicht mehr komplett gestoppt" werden. "Wir müssen lernen, die Folgen zu beherrschen". Der UBA Präsident warnte jedoch davor, einzelne extreme Ereignisse als "quasi Beweis für den Klimawandel" herbeizuziehen. Die Vielzahl, Dichte und das Ausmaß der Wetterextreme bestätigten aber den Trend zum Klimawandel.

DWD-Präsident Adrian sagte, die Katastrophenvorhersage, das Warnmanagement der Behörden und der Schutz der Bevölkerung im Katastrophenfall hielten in Deutschland jedem weltweiten Vergleich stand. Er sprach sich aber für eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit und einen besseren Informationsfluss von Landkreisen zu Kommunen aus.

"Der Klimawandel ist Tatsache", sagte Adrian und verwies auf die Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland, die von 1881 bis 2009 bereits um 1,1 Grad gestiegen sei. Zugleich sei der Zeitraum 2000 bis 2009 in Deutschland und weltweit die wärmste Dekade seit Beginn flächendeckender Messungen vor 130 Jahren gewesen. Den extrem starken Temperaturanstieg in den vergangenen 20 Jahren bewertete er als kritisch, nicht den mittleren Temperaturwert.

DWD-Klimaexperte Paul Becker sagte mit Blick auf die Temperaturentwicklung der vergangenen Jahre, man könne erkennen, dass der Einfluss des Menschen hier eine Rolle spiele.

Schon heute belasteten die Hitzeperioden die Gesundheit vieler Menschen, sagte Flasbarth. Mit Blick auf die folgenschweren Ausfälle von Klimaanlagen in ICE der Deutschen Bahn sagte er, frühere technologische Normen reichten heute meist nicht mehr aus. Insbesondere bei langfristigen Investitionen sollten Normen und Richtlinien - wie etwa beim Bau von Gebäuden, Straßen und Kraftwerken - den künftigen Klimaverhältnissen angepasst werden.

Das Umweltbundesamt trat Befürchtungen entgegen, wonach mit dem Temperaturanstieg das Trinkwasser knapp werden könnte. Im Norden und Nordosten Deutschlands könnte es aber zu einer Verknappung bei der Wasserversorgung in der Landwirtschaft kommen. Durch höhere Temperaturen könnte es auch zu Ernteausfällen bei Wintergetreide kommen. In diesem Zusammenhang forderten die Fachleute langfristige Überlegungen von Landwirten.

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