Streit um Lübtheener Kohle

Widerstand gegen Mibrag-Projekt wächst

Die Diatomeenkohlevorkommen sind auf ein etwa 100 Quadratkilometer großes hufeisenförmiges Gebiet um Lübtheen beschränkt. Dort lagern auch andere Rohstoffe wie Bergton, Quarzsand sowie Kiessand. Jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die den weiteren Abbau durch die Mibrag verhindern will.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Theißen/Lübtheen (ddp-nrd/sm) - Der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) weht bei ihren Kohleerkundungsbohrungen im mecklenburgischen Lübtheen (Landkreis Ludwigslust) zunehmend kräftiger Wind entgegen. Gegen den Abbau hat sich die Bürgerinitiative (BI) "Braunkohle - Nein!" formiert.

Vor allem sei man um die Landschaft besorgt, da die Region zum großen Teil vom Tourismus lebe, sagte Kai Hagen von der Bürgerinitiative am Sonntag der Nachrichtenagentur ddp. Die Mibrag würde die in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaute Tourismuslandschaft mit ihrem Tagebau zerstören.

Die Bürgerinitiative, die vor einigen Monaten mit 50 Frauen und Männer gestartet sei, habe mittlerweile auch zahlreiche Vertreter der Wirtschaft hinter sich sammeln können, sagt Hagen, der in der Nähe von Lübtheen eine Gaststätte und ein Hotel mit mehr als 60 Angestellten betreibt. Auch die Industrie- und Handelskammer stehe mittlerweile der so genannten Diatomeenkohle eher abgeneigt gegenüber. In einem Offenen Brief hatten sich die Kritiker, unter ihnen auch Vertreter von CDU und PDS, in der vergangenen Woche gegen die Abbau-Pläne ausgesprochen. Das Vorhaben sei investitionshemmend, heißt es in dem Schreiben.

Die Mibrag schätzt die Kohlevorräte in Mecklenburg auf rund eine Milliarde Tonnen. Ein Abbau würde rund 40 bis 50 Jahre dauern. Allerdings liegt die Lagerstätte unter einem Truppenübungsplatz der Bundeswehr. Die Mibrag kämpft auch im sächsischen Heuersdorf mit dem Widerstand der Bewohner, die sich seit Jahren gegen eine Abbaggerung ihres Ortes wehren.

Diatomeenkohle ist eine dichte, meist ungeschichtete braunschwarze Ablagerung. Sie hat sich im Raum um Lübtheen (Landkreis Ludwigslust) vor etwa acht bis sechs Millionen Jahren in einem möglicherweise salzhaltigen See gebildet. Etwa zur Hälfte besteht sie aus kohliger Substanz. Die bei der Verbrennung zurückbleibende Asche ist unreine Kieselgur. Sie setzt sich aus winzigen Gehäusen von einzelligen Kieselalgen zusammen.

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