Hochsee-Labor

Westliche Ostsee wird mit Offshore-Messplattform bestückt

Das Hochsee-Labor knapp 35 Kilometer vor der Nordspitze Rügens soll ab Beginn 2006 Daten über Wind und Wellen, Sedimentbewegung und Wetter liefern. Der 100 Meter große Turm wird in einer Wassertiefe von knapp 25 Metern verankert, wobei sich Stützpfeiler noch etwa 30 Meter in den Meeresboden bohren werden.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Warnemünde (ddp-nrd/sm) - Vor Baubeginn der ersten Hochsee-Windparks in der Ostsee wollen Forscher und Techniker mit einer Messplattform das Terrain erkunden. Im Dreiländereck Deutschland-Dänemark-Schweden wird dazu ein Gittermastturm errichtet, der 100 Meter über die Meeresoberfläche ragen wird. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf knapp 4,5 Millionen Euro. Ein Viertel davon trägt das Land Mecklenburg-Vorpommern, der Rest kommt vom Bund, wie Landeswirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD) am Freitag in Warnemünde bei der Übergabe der Fördermittelbescheide sagte.

Das Hochsee-Labor knapp 35 Kilometer vor der Nordspitze Rügens soll ab Beginn 2006 Daten über Wind und Wellen, Sedimentbewegung und Wetter liefern. Der Turm wird in einer Wassertiefe von knapp 25 Metern verankert, wobei sich Stützpfeiler noch etwa 30 Meter in den Meeresboden bohren werden. Geplant ist auch eine 15 mal 15 Meter große Plattform für Container und Messgeräte, an der unter anderem Schiffe anlegen können. Betrieben wird die Messstation vom Schifffahrtsinstitut Warnemünde.

Beim Aufbau dieser ersten Ostsee-Plattform so weit vom Ufer entfernt wollen die Konstrukteure zudem praktische Erfahrungen sammeln, die Windpark-Betreibern zugute kommen könnten. Die Plattform entsteht am Rand des bereits genehmigten Standortes "Kriegers Flak" für knapp 80 Windenergieanlagen, die ab Ende 2006 errichtet werden. Die Daten der Plattform seien eine unschätzbare Hilfe, sagte Windpark-Investor Carlo Schmidt von der Offshore Ostsee Wind AG. Bislang gebe es in der Ostsee keine praktischen Erfahrungen, wie der Wind auf offenem Meer in großen Höhen wirklich genutzt werden könne.

Für "Kriegers Flak" hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vor zwei Wochen grünes Licht gegeben. Gleichzeitig wurde die Verlegung des Kabels für die Stromeinspeisung genehmigt, das ist bislang einmalig in Deutschland. Damit könnte der Windpark vor Rügen die bundesweit erste Offshore-Anlage werden. Bereits im Herbst soll eine Modell-Windenergieanlage im Rostocker Breitling aufgebaut werden, an der Monteure Bau, Betrieb und Wartung üben können.

Dem BSH liegen derzeit 32 Anträge für den Bau von Windparks sowie stromführender Kabeltrassen in Nord- und Ostsee vor. Einige von ihnen umfassen mehrere hundert Windenergieanlagen, andere nur ein paar Dutzend. Bis 2010 sollen deutsche Offshore-Windparks eine Gesamtleistung von 3000 Megawatt ins Netz speisen. Bis 2030 sind 25 000 Megawatt aus Windenergieanlagen im offenen Meer geplant.

Das könnte Sie auch interessieren
  • erneuerbare Energien

    Windenergie wird in diesem Jahr kräftig ausgebaut

    2013 ist ein gutes Jahr für die deutschen Windanlagenbauer. Der Anschluss neuer Windräder liegt auf Rekordniveau und wird wohl so umfangreich sein wie seit dem Rekordjahr 2002 nicht mehr. Doch die Diskussion um die Kosten der Energiewende macht sich bereits bemerkbar.

  • erneuerbare Energien

    Ein Windpark, der mit Diesel betrieben wird

    Manch einer wird an einen Schildbürgerstreich denken, doch es ist Realität: Da die 30 Windräder des gerade eröffneten Windparks bei Borkum noch keinen Anschluss ans Stromnetz haben, werden sie bis auf Weiteres mit Diesel betrieben. Laufen müssen sie, sonst würden die Rotorblätter in der Seeluft verrosten.

  • Strom sparen

    Mehr als 30 Anträge für Windparks vor deutschen Küsten

    32 Anträge für den Bau von Windparks sowie stromführender Kabeltrassen in Nord- und Ostsee liegen dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) derzeit vor. Neun Windparks außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone sind bereits genehmigt, in der Ostsee wurden schon zwei Standorte abgelehnt.

  • Stromnetz Ausbau

    Erster deutscher Ostsee-Windpark genehmigt

    Die erste Offshore-Anlage in der deutschen Ostsee ist genehmigt. Wie Mecklenburgs Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) heute mitteilte, sollen im Windpark Kriegers Flak vor Rügen 80 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 330 Megawatt entstehen. Die Realisierung des Projekts sei für 2006/2007 geplant.

  • Hochspannungsleitung

    Grünes Licht für Offshore-Projekt am Darß

    Das Bauvorhaben für einen Offshore-Windpark vor der Halbinsel Darß in Mecklenburg-Vorpommern wurde jetzt mittels eines Raumordnungsverfahrens positiv beschieden. "Baltic I" wird maximal 21 Windräder mit einer Höhe von 125 und 164 Meter Höhe umfassen. Zwei der Anlagen sollen fünf Megawatt Strom erzeugen.

Top