Analysten

WestLB senkt E.ON und RWE nach Wahl auf "neutral"

Für die Aktien der Energieversorger E.ON und RWE bedeutet der Ausgang der gestrigen Bundestagswahl einen herben Verlust: Die Analysten der Bankhäuser WestLB und Sal. Oppenheim sehen die Werte der beiden Energiegiganten massiv unter Druck, weil der Ausstieg vom Atomausstieg nun wieder in Frage gestellt wird.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Die Analysten der WestLB haben ihre Einstufung der Aktien der Energieversorger E.ON und RWE von "Outperform" auf "Neutral" gesenkt. Gleichzeitig reduzierten sie die Kursziele von 83 auf 78 Euro (E.ON) beziehungsweise von 60 auf 55 Euro (RWE). Die im DAX notierten Aktien der beiden Konzerne führten am Mittag mit Verlusten von jeweils drei Prozent die Liste der Verlierer an.

Die Analysten sind der Ansicht, dass die Ergebnisse der Bundestagswahl die Stimmung gegenüber Versorgern eintrüben werden. Nur eine große Koalition von CDU und SPD könnte zu einer Verlängerung der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken auf 40 Jahre führen. Die Möglichkeit einer Verlängerung sei auch in die Kursentwicklung bereits eingeflossen.

Bei jeder anderen Koalitionsbildung sei keine Verlängerung zu erwarten, hieß es. Darüber hinaus sind den Analysten zufolge weitere Preissteigerungen bei Strom und Gas nur schwer durchzusetzen, da diese zu einer öffentlichen Debatte in Politik und Presse führen dürften.

Laut "Tagesspiegel" sehen auch andere Marktbeobachter die Aktien der großen Energiekonzerne massiv unter Druck. "Die Märkte hatten die von Union und FDP angekündigten längeren Atomlaufzeiten teilweise schon eingeplant", sagte Matthias Heck, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, dem "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe). "Jetzt sind sie verunsichert."

Auch nach Einschätzung von Sal. Oppenheim sind längere Atomlaufzeiten nun nur noch im Fall einer Großen Koalition zu erwarten. "In diesem Punkt würde die SPD wohl nachgeben. Sie hängt eher an anderen Fragen", erklärte Heck. Bei einer Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen hingegen seien längere Laufzeiten von Kernkraftwerken unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich. Im Fall einer rot-grünen Minderheitsregierung, die von der Linkspartei toleriert würde, sei klar, dass der Atomausstieg Bestand habe. "Wir sehen bei E.ON nun ein Rückschlagpotenzial von bis zu fünf Prozent, bei RWE sogar von acht Prozent", sagte Heck.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromrechnung

    Talfahrt bei RWE und Eon: Gibt es noch Lichtblicke?

    Die beiden Stromriesen RWE und Eon stecken in der Klemme. Beim Umstieg auf erneuerbare Energien hinken beide Firmen hinterher. Werden das bald die Stromkunden mit steigenden Preisen ausbaden müssen?

  • Index

    Stellenabbau bei RWE & Co.: Tausende Jobs fallen weg

    Den deutschen Energieversorgern RWE, Eon und EnBW geht es an den Kragen und damit auch seinen Angestellten. Bei allen drei Unternehmen stehen Sparmaßnahmen an, die unter anderem Stellenstreichungen und Gehaltskürzungen nach sich ziehen.

  • Stromnetz Ausbau

    Rheinland-Pfalz kritisiert Gewinnsucht der Gaskonzerne

    Die Parteien im Mainzer Landtag haben den Energiekonzernen gestern Preistreiberei und Gewinnsucht vorgeworfen. Die hohen Preise seien "Gift für die Konjunktur in Deutschland". Daher sei dringend eine "Energiewende" mit einer stärkeren Förderung der Biomasse, mehr Windkraftanlagen sowie Anreizen zu Energieeinsparung nötig.

  • Hochspannungsmasten

    Bauminister verteidigt restriktivere Regeln für Windkraft in NRW

    Rückständige Energiepolitik hin oder her - die schwarz-gelbe nordrhein-westfälische Landesregierung hat ihren neuen Windenergie-Erlass verteidigt. Die Nutzung der Windenergie werde auch weiter im Land möglich sein, aber eben nur noch da, wo es den Menschen nutze, sagte Landesbauminister Wittke.

  • Strompreise

    SPD-Fraktion wirft Schwarz-Gelb "rückständige" Energiepolitik vor

    Der neue Windkraftanlagenerlass der schwarz-gelben NRW-Landesregierung sorgt bei der Opposition für herbe Kritik: Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Öl- und Gaspreisentwicklungen sei diese Polemisierung "rückständig" und verspiele die Zukunftsbranchen des Landes, hieß es in Düsseldorf.

Top