Weltpremiere: Hochtemperatur-Brennstoffzelle wird in Bielefeld in Betrieb genommen

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com
Gäste aus ganz Deutschland werden sich am morgigen Mittwoch im Heizwerk an der Universität Bielefeld einfinden, um an der offiziellen Inbetriebnahme der Hochtemperatur-Brennstoffzelle teilzunehmen. Zu dem Fest lädt die MTU Friedrichshafen ein, die die Brennstoffzelle geliefert hat. Die MTU Friedrichshafen bildet gemeinsam mit ihren Tochterunternehmen den Geschäftsbereich Dieselantriebe im DaimlerChrysler-Konzern. Bei der unweit der Universität errichteten Anlage handelt es sich um die weltweit erste Installation dieses hochmodernen Brennstoffzellentyps. In der mit Erdgas betriebenen Hochtemperatur-Brennstoffzelle werden in einem einstufigen Energiewandlungsprozess Elektrizität und Wärme erzeugt. Hierzu sind in konventionellen Kraftwerken drei Stufen notwendig.



Die Stadtwerke Bielefeld, die Ökologie und betriebswirtschaftliches Handeln als gleichberechtigte Unternehmensziele definieren, bekamen den Zuschlag für die Anlage, weil sie für deren Testbetrieb nahezu ideale Bedingungen vorweisen können. So bietet die Universität Bielefeld als Kunde, der den in der Brennstoffzelle erzeugten Dampf und Strom abnimmt, gute Voraussetzungen, um die Anlage im Dauerbetrieb zu testen. Außerdem ist an der Fakultät für Chemie bei Prof. Dr. Katharina Kohse-Höinghaus eine Forschungsgruppe entstanden, die sich mit elektro-chemischen Prozessen in Brennstoffzellen beschäftigt. Weiterer Pluspunkt: Über die Stadtwerke Bielefeld kamen deren Erdgaslieferanten BEB Erdgas und Erdöl und Mobil Erdgas-Erdöl GmbH als Projektpartner hinzu. Da die Hochtemperatur-Brennstoffzelle der MTU - wie erwähnt - mit Erdgas betrieben wird, sehen die Erdgaslieferanten hier ein vielversprechendes Anwendungsfeld für ihr Produkt.


Die Stadtwerke setzen auf eine hochmoderne Technologie sowie auf eine zukunftsorientierte Energiewirtschaft: Schon heute kann in der Hochtemperatur-Brennstoffzelle ein elektrischer Wirkungsgrad von rund 52 Prozent erreicht werden. Das ist mehr, als in herkömmlichen Kraft-Wärme-Kopplungsprozessen in zentralen Heizkraftwerken oder Blockheizkraftwerken möglich ist. Künftig kann der Wirkungsgrad auf über 60 Prozent gesteigert werden. Voraussetzung ist die zusätzliche Installation einer Dampfturbine.


Außer dem rationellen Umgang mit dem Primärenergieträger - außer Erdgas können beispielsweise auch Deponie- oder Biogas genutzt werden - bietet die Hochtemperatur-Brennstoffzelle weitere Vorteile. So erfolgt die Umwandlung von Erdgas in Strom und Wärme von 450 Grad Celsius nahezu frei von Schadstoffen und mit sehr guter Kohlendioxid-Bilanz. Da die in Bielefeld installierte Brennstoffzelle mit einer Temperatur von 650 Grad Celsius arbeitet, kann sie außerdem sehr kompakt gehalten werden. Bei solch hohen Temperaturen kann nämlich Wasserstoff, der zum Betrieb der Brennstoffzelle notwendig ist, direkt aus dem zugeführten Erdgas abgespalten werden. Dies macht zusätzliche Anlagen zur Aufbereitung oder Lagerung des Wasserstoffs überflüssig. Der hohen Betriebstemperatur verdankt die Bielefelder Brennstoffzellenanlage auch ihren Namen: "Hot Module".


Ein internationales Konsortium hat seit 1990 die Hochtemperatur-Brennstoffzelle entwickelt. Seit 1997 gab es Gespräche zwischen den Stadtwerken Bielefeld und dem Hersteller MTU Friedrichshafen. Im Sommer 1999 konnte die Brennstoffzellenanlage nach Bielefeld geliefert werden. Die seit 1998 als Projekt der EXPO-Initiative Ostwestfalen-Lippe anerkannte Feldversuchsanlage wird, so ist es geplant, bis Ende 2001 arbeiten. In diesen gut zwei Jahren wollen die Kooperationspartner unter realen Anwendungsbedingungen testen, ob der Prototyp alltagstauglich ist.


Insbesondere erhofft man sich Erkenntnisse darüber, wie eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle noch einfacher und billiger gebaut werden kann, ohne ihre Vorteile einzubüßen. Nicht nur die Techniker der Stadtwerke Bielefeld und die Forscher der Bielefelder Universität, sondern auch die Ingenieure der MTU werden die Anlage deshalb immer im Blick haben. Die Entwickler bei der MTU haben über eine Datenfernübertragung ständigen Kontakt zur Bielefelder Anlage.


Im Rahmen der morgigen Feier werden Dr. Rolf A. Hanssen, Vorsitzender der MTU-Geschäftsführung, Michael Bode, Leiter der MTU-Abteilung Neue Technologien sowie der Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, Wolfgang Brinkmann zu den Gästen sprechen.


Fachleute, die die Bielefelder Hochtemperatur-Brennstoffzellenanlage besichtigen möchten, können sich an Dr. Ingo Kröpke, Geschäftsbereichsleiter "Netze" bei den Stadtwerken Bielefeld, wenden. Er plant, ab Frühjahr 2000 die Anlage im Heizwerk Universität für Gruppenbesichtigungen zu öffnen.

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