Pläne

Weiteres Pumpspeicherwerk in Thüringen erwogen

Im Freistaat könnte in den kommenden Jahren ein weiteres Pumpspeicherkraftwerk gebaut werden. Dafür solle die bereits vorhandene Talsperre Schmalwasser bei Tambach-Dietharz genutzt werden, hieß es am Donnerstag. Insgesamt gibt es bereits 30 solcher Kraftwerke in Deutschland.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt (dapd/red) - Über das mögliche neue Pumpspeicherwerk informierten Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) und der Projektleiter des in Aachen ansässigen Stadtwerke-Netzwerkes Trianel GmbH, Markus Hakes, am Donnerstag in Erfurt. Grüne und Linke verwiesen auf die bevorstehenden Natureingriffe und mahnten ein breites Beteiligungsverfahren an. Die FDP lehnte das Vorhaben ab.

Standortsuche war bundesweit gelaufen

Das sich derzeit noch im "konzeptionellen Stadium" befindliche Kraftwerk mit einer Leistung von 400 Megawatt würde rund 500 Millionen Euro kosten. In Thüringen liefert bereits seit 2003 das zum Vattenfall-Konzern gehörende Pumpspeicherwerk in Goldisthal Strom. Es ist mit einer Gesamtleistung von 1.060 Megawatt (MW) das leistungsstärkste der 30 Pumpspeicherwerke in Deutschland. Hinzu kommen in Thüringen die Pumpspeicherwerke Hohenwarte I und II (320 MW und 62 MW) und Bleiloch (80 MW).

Für das Werk sind Hakes zufolge bundesweit Standorte gesucht worden. Die Talsperre Schmalwasser sei einer der besten in Deutschland. Trianel prüfe derzeit neben Schmalwasser zwei weitere Standorte in Nordrhein-Westfalen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Möglicher Baubeginn sei 2016. Ab 2019 könnte das Werk dann arbeiten. 35 Stadtwerke des Trianel-Netzwerkes, darunter auch die Stadtwerke Jena, hätten sich bereiterklärt, das Projekt zu finanzieren.

Defizitäre Bereiche sichern helfen

Die Linke will die Pläne im Umweltausschuss beraten. Zugleich regte der Abgeordnete Tilo Kummer eine Prüfung an, um der Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) eventuell eine alleinige Finanzierung zu ermöglichen. "Pumpspeicherwerke waren bisher immer Lizenzen zum Gelddrucken", sagte er. Die TFW könnte so defizitäre Bereiche wie Brauchwassertalsperren in ihrer Existenz sichern.

Die FDP nannte das Vorhaben ein neues Prestigeprojekt von Machnig. Schon das Werk Goldisthal sei ein massiver Eingriff in die Natur am Rennsteig gewesen. Ein weiteres derartiges Projekt seien für Umwelt und Tourismus in der Region nicht verkraftbar, sagte Umweltexpertin Franka Hitzing. Zudem müssten die Anforderungen an den Trinkwasserschutz Vorrang vor energiepolitischen Erwägungen haben.

Die Grünen mahnten, etwaige Pläne nur gemeinsam mit den Bürgern umzusetzen. Nur mit einem Bürgerbeteiligungs- und Planungsverfahren könne die Schwere des Eingriffs mit dem Nutzen der Energiespeicherung ehrlich verglichen werden, sagte Energieexperte Dirk Adams. Der FDP warf er vor, lediglich "die schwarz-gelben Atomkraftwerke schützen" zu wollen.

Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) verwies darauf, dass die bei ihr angesiedelte Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) derzeit im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums die Studie "Potenzielle Standorte für Pumpspeicherkraftwerke in Thüringen" erarbeite. Ziel sei die systematische Prüfung von Standorten für den Betrieb von Pumpspeicherwerken. So werde eine solide Basis für die Betrachtung weiterer Projekte geschaffen, sagte LEG-Geschäftsführer Andreas Krey.

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