Strompreise

Weitere Stromanbieter wollen Preise erhöhen - Reaktionen

Nahezu alle Stromanbieter in Hessen wollen zum Jahreswechsel ihre Preise erhöhen. Davon geht das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden derzeit aus. Auch in anderen Bundesländern soll die Preisschraube angezogen werden. Die Wirtschaftsminister der Länder kündigen aufmerksame Prüfungen an.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Frankfurt/Main / Erfurt (ddp/sm) - Wie berichtet hatten RWE und E.ON zum Jahreswechsel für ihre regionalen Versorgungstöchter Strompreiserhöhungen angekündigt und dem Land Nordrhein-Westfalen liegen bereits 95 Anträge vor. Nun wird in anderen Bundesländern nachgezogen.

Bislang habe bereits die Mehrzahl der landesweit 50 Anbieter in seinem Ministerium Anträge auf höhere Strompreise zum 1. Januar 2006 eingereicht, sagte der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU). Er kündigte an, die Anträge "äußerst kritisch unter die Lupe zu nehmen", da steigende Strompreise den Wirtschaftsstandort Hessen benachteiligten. Ähnliche Ankündigungen gibt es auch aus Nordrhein-Westfalen und Bayern. Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) mahnte in der "Süddeutschen Zeitung", den Verbrauchern könnten "nicht unbegrenzt weitere Lasten aufgebürdet werden".

Wie die Nachrichtenagentur ddp aus Kreisen der Strombranche erfuhr, will allein der größte hessische Versorger, E.ON Mitte (ehemals EAM), einen Preisanstieg von sechs Prozent zum Jahreswechsel durchsetzen. Ähnliche Steigerungsraten sind auch bei anderen Anbietern zu erwarten. So hätten sich in den vergangenen Jahren die Preisentwicklungen anderer Versorger im Land oftmals an der von E.ON Mitte orientiert, heißt es in den Kreisen.

E.ON Mitte bestätigte auf Anfrage, einen Antrag auf Preiserhöhung beim Wirtschaftsministerium gestellt zu haben. Zum Umfang der geplanten Verteuerung wollte sich das Unternehmen jedoch am Dienstag nicht äußern. Als Gründe für den beabsichtigten Preisaufschlag nannte ein Sprecher unter anderem gestiegene Beschaffungskosten.

Bereits in diesem Jahr hatte E.ON Mitte seinen Strompreis für den allgemeinen Tarif um 3,7 Prozent erhöht. Der Versorger mit Sitz in Kassel ist vor allem in Nord- und Mittelhessen aktiv, bedient jedoch auch Stromkunden im Raum Hanau/Gelnhausen.

Rhiel bedauerte, dass die Möglichkeiten der Länder, die Strompreise im Zaum zu halten, begrenzt seien. So kontrollierten die Länder nur die Preise der örtlichen Verteilnetzbetreiber, von denen die meisten nicht selbst Strom erzeugen. Auf den größten Teil des Strompreises hätten die Länder keinen Einfluss. Erzeugung und Ferntransport von Strom sowie die Abgabenlast seien der Tarifpreisaufsicht entzogen.

2005 hatte das Wirtschaftsministerium die Hälfte der für dieses Jahr beantragten Preiserhöhungen abgelehnt, weil der Behörde die von den Unternehmen geforderten Steigerungsraten objektiv nicht begründbar erschienen.

Die Thüringer Energie AG (Teag) wird zum 1. Januar 2006 die Strompreise erhöhen. Das Ausmaß der Tarifanhebung stehe aber noch nicht fest, sagte der Vorstandsvorsitzende Bernhard Bloemer in Erfurt. Grund seien die gestiegenen Preise der Lieferanten. "Dem können wir uns nicht entziehen", sagte Bloemer. Die Anträge zur Anhebung der Tarife würden noch im Oktober gestellt.

Der Vorstandschef sagte, er rechne bundesweit mit einem Anstieg der Strompreise um durchschnittlich sechs Prozent. Die Tarifanhebung der Teag werde eher unter diesem Wert liegen. Man wolle nur die Steigerungen an die Endkunden weitergeben, die durch die Vorlieferanten entstünden. Dagegen sollten Belastungen im eigenen Unternehmen durch steigende Personal- und Sachkosten durch interne Rationalisierung und Effizienzsteigerung aufgefangen werden. "Im Moment gelingt das noch, aber die Decke reicht nicht sehr weit", sagte Bloemer.

Nach einer Meldung der "Mitteldeutschen Zeitung" haben für Sachsen-Anhalt 23 der 25 Energieversorger Anträge auf eine Erhöhung eingereicht.

Auch in Brandenburg soll der Strom teuerer werden. Dies bestätigte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums gegenüber der "Märkischen Allgemeine". Die SPD-Landtagsfraktion will am 24. Oktober eine Expertenanhörung zu den steigenden Energiepreisen veranstalten. Dabei gehe es insbesondere um die Entgelte für Gas, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Potsdam. Fraktionschef Günter Baaske betonte: "Die Energiepreise drehen nach oben durch. Ungerechtfertigte Steigerungen darf es nicht geben." Er forderte die Energieunternehmen auf, den Bogen nicht zu überspannen. Zudem sollte das Wirtschaftsministerium ungerechtfertigten Anträgen zu Preiserhöhungen keinesfalls nachgeben.

Die Anhörung dient den Angaben zufolge auch zur Vorbereitung einer Aktuellen Stunde, die die SPD-Fraktion zu diesem Thema für die Landtagssitzung im November beantragen wird. Dazu eingeladen werden als Experten unter anderen Vertreter von Bundeskartellamt, Verbraucherzentrale, Wirtschaftsministerium, Bundesnetzagentur, Gasversorgern und Stadtwerken.

Es gibt auch Ausnahmen: die Energiekonzerne Vattenfall Europe, EnBW, MVV Energie und EWE kündigten an, die Preise zum Jahreswechsel nicht anheben zu wollen.

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