Unrechtmäßig eingelagert

Weiter Unklarheiten über hochradioaktiven Müll in der Asse

Nach Berichten über die Einlagerung hochradioaktiven Mülls in der Asse fragen Umweltschützer nach dem Verbleib der Frachtpapiere. Die Linke im niedersächsischen Landtag kritisierte am Montag, das angebliche Verschwinden dieser Akten zeige einmal mehr, wie "schlampig" mit dem Atommüll umgegangen worden sei.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Remlingen (ddp-nrd/red) - "Es ist auch gut möglich, dass Akten vernichtet wurden, um Spuren zu verwischen", sagte der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Kurt Herzog. Das ARD-Magazin "Monitor" hatte in der vergangenen Woche über eine Zusage des Bundesforschungsministeriums aus dem Jahr 1966 an die Siemens AG zur Einlagerung von bis zu 25 Fässern mit radioaktivem Abfall berichtet. Dabei berief sich die Redaktion auf einen Schriftwechsel, der in Kopien auch der Nachrichtenagentur ddp vorliegt. Siemens erklärte dazu, die gesetzliche Aufbewahrungsfrist für die damaligen Akten sei Ende der 90er Jahre abgelaufen. Das Unternehmen konnte deshalb nicht mehr sagen, ob tatsächlich Fässer mit hochaktivem Müll in die Asse gebracht wurden.

Aus Sicht Herzogs verdeutlicht der Fall "die ganze Absurdität der Sicherheitsphilosophie der Atomenergie". "Das Atomgesetz schreibt vor, die Einlagerungsdokumente der Lieferanten 30 Jahre aufzubewahren, aber der Müll soll eine Million Jahre sicher eingeschlossen bleiben", sagte er. Gleichzeitig bekräftigte Herzog die Forderung der Oppositionsparteien, dass sich der Asse-Untersuchungsausschuss des Landtags zuerst mit dem Inventar der Asse beschäftigen müsse.

Das niedersächsische Jugend-Umwelt-Netzwerk erklärte, der "Monitor"-Beitrag habe nicht ganz klären können, wo die Fässer mit hochradioaktivem Atommüll letztendlich gelandet seien. Aus weiteren Dokumenten des Bundesforschungsministeriums gehe aber hervor, dass es sich bei den fraglichen Abfällen offenbar um Kernbrennstoffe aus dem Atomkraftwerk Niederaichbach in Bayern gehandelt habe. Der Druckröhrenreaktor war ab 1959 von Siemens geplant und weitgehend vom Bund finanziert worden. 1974 wurde das Kraftwerk nach zahlreichen Pannen und nur 18 Tagen Volllast-Betrieb abgeschaltet.

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