Weichen für die "neue RWE" gestellt

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Der RWE-Konzern hat sein zweites Geschäftsjahr nach der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes mit einem Ergebnisrückgang im erwarteten Rahmen beendet. Das betriebliche Ergebnis wird sich voraussichtlich um rund 15 Prozent reduzieren. Auch mit einer deutlichen Umsatzsteigerung und umfassenden Kostensenkungsmaßnahmen konnten die Auswirkungen des starken Strompreiseinbruchs nicht ausreichend kompensiert werden. Außerdem belasteten niedrigere Margen in der Mineralölverarbeitung und im Tankstellengeschäft die Ertragslage. Trotz des Rückgangs des betrieblichen Ergebnisses und hoher Restrukturierungsrückstellungen wird das Nettoergebnis um rund 5 Prozent gesteigert werden. Ausschlaggebend dafür waren Desinvestments mit einem Veräußerungsgewinn von 3,1 Milliarden Euro, im Wesentlichen der Verkauf des Mobilfunkbetreibers E-Plus und der TV-Kabel-Gesellschaft TeleColumbus.


Der Konzernumsatz stieg um rund 24 Prozent auf 47 Milliarden Euro. Der starke Zuwachs beruht vor allem auf zwei Erstkonsolidierungen: Mit dem seit 1. Oktober 1999 einbezogenen US-Unternehmen Turner hat der Unternehmensbereich Bau seinen Umsatz verdoppelt. Im Unternehmensbereich Bergbau und Rohstoffe wurde die US-Steinkohlengesellschaft CONSOL erstmals für ein volles Jahr konsolidiert. Der Anteil des Auslandsumsatzes im Konzern stieg durch die Einbeziehung der beiden Gesellschaften von 28 Prozent auf 36 Prozent. Im Unternehmensbereich Mineralöl und Chemie erhöhte sich der Umsatz wegen hoher Rohölpreise.


Mit einer Kostenreduzierung von rund 700 Millionen Euro in den Bereichen Energie sowie Bergbau und Rohstoffe hat der RWE-Konzern das erste Zwischenziel seines zum Halbjahr vorgestellten Kostensenkungsprogramms erreicht. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2003/04 soll insbesondere das Stromgeschäft um weitere Kosten von insgesamt 2,5 Milliarden Euro entlastet werden. Für die erforderlichen Maßnahmen wurden Rückstellungen in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro gebildet.


Der RWE-Vorstand ist sich sicher: Der Marktpreis im Stromsektor hat aus heutiger Sicht die Talsohle erreicht. Die wettbewerbsbedingten Preiszugeständnisse des abgelaufenen Jahres werden aber auf Grund der bereits abgeschlossenen Kundenverträge zu Nachlaufeffekten führen. Ziel sei es dennoch, im Geschäftsjahr 2000/01 mit einem betrieblichen Ergebnis in der Größenordnung des Jahres 1999/00 abzuschließen. Dabei setzt der RWE-Vorstand auf das forcierte Kostensenkungsprogramm und positive Impulse aus den Unternehmensbereichen außerhalb des Energiesektors. Ergebnisbeiträge der VEW-Bereiche und Desinvestitionen sind in dieser Zielsetzung nicht berücksichtigt. Die komplette Neuausrichtung der Konzernstruktur wird früher realisiert als ursprünglich vorgesehen. Nach der Zusammenführung der Braunkohlengewinnung und -verstromung im Rheinland zum 1. April soll die Mehrzahl der weiteren geplanten Umstrukturierungen bereits zum 1. Oktober 2000 erfolgen. Dabei werden schon vor dem Wirksamwerden der Fusion operative Einheiten der VEW über Pachtverträge mit RWE-Aktivitäten zusammengefasst. Ziel dieser Vorgehensweise ist die frühestmögliche Nutzung der Markt- und Kostensynergien der beiden Konzerne.

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