Gerüchteküche

Was passiert mit best energy? (aktualis.)

Seit langem spekuliert die Branche über die Zukunft von best energy. Die drastische Strompreiserhöhung zum 1. August 2003 wurde von vielen Branchenkennern als Taktik gewertet, die Liquidation der Vattenfall-Tochter zu besiegeln. Während eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens von offizieller Seite noch bestritten wird, mehrt sich die Unsicherheit.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Die Gerüchteküche auf dem deutschen Strommarkt brodelt - mal wieder. Es scheint kein gutes Pflaster für ambitionierte Newcomer zu sein. Schon die Pleiten von DSA, ares und Riva haben gezeigt, dass im harten Energiegeschäft nicht nur Fachwissen sondern auch ausreichend Finanzkraft überlebenswichtig ist. Von daher schienen Firmen wie best energy und Yello mit angestammten Energieversorgern im Hintergrund immer etwas im Vorteil zu sein. Bisher.

... auf dem Prüfstand

In diesen Tagen jedoch ist auch für die EnBW-Tochter Yello (Köln) und die Vattenfall-Tochter best energy (Berlin) die Luft dünn geworden. Der neue EnBW-Vertriebsvorstand Dr. Detlef Schmidt will unbestätigten Berichten zufolge die Yello-Konzernzentrale in Köln auflösen und die Kunden von den Mitarbeitern im EnBW-Hauptsitz in Karlsruhe betreuen lassen. Und wie Bewag-Unternehmenssprecher Olaf Weidner dem strom magazin in einem Telefongespräch bestätigte, steht auch best energy bei Vattenfall Europe auf dem Prüfstand.

... Liqudator schon im Haus?

Während Weidner dem strom magazin gegenüber allerdings bestritt, dass schon endgültige Entscheidungen über die Zukunft von best energy gefallen seien, gehen die Mitarbeiter des - einstmals erfolgreichen - Newcomers davon aus, ihre Jobs bis spätestens Ende des Jahres zu verlieren. Olaf Weidner bestätigte, dass die Verkaufsverhandlungen mit drei Interessenten gescheitert seien, weil die Angebote nicht den wirtschaftlichen Anforderungen des Vattenfall Konzerns entsprachen. Es würden nun andere Optionen beschritten. Dazu zähle ausdrücklich nicht, neue Kaufinteressenten zu suchen, stellt Weidner klar. Eine der Optionen sei auch eine sogenannte "stille Liquidation", die Weidner als "geordneten Marktrückzug" beschrieb. Allerdings gebe es bis dato keinen Beschluss dafür. Das strom magazin erfuhr indes aus konzernahen Kreisen, dass der Liquidator schon in dieser Woche erste Gespräche mit best energy-Geschäftsführer Jan Rohwer führen will.

... nur vermeintlicher Vorteil

Offizielle Statements von best energy selbst gibt es nicht. Die Diskrepanz zwischen dem, was im Unternehmen passiert und dem, was Bewag und Vattenfall offiziell verlauten lassen, sorgt für zunehmende Unsicherheit bei den Mitarbeitern. best energy-Geschäftsführer Rohwer tritt Ende dieser Woche seinen dreiwöchigen Jahresurlaub an - ein Zeichen entweder dafür, dass keine Eile besteht oder dafür, dass best energy selbst keinen Einfluss auf die Geschehnisse hat. So könnte sich der einstige (vermeintliche) Vorteil einer finanzstarken Mutter im Hintergrund jetzt als Nachteil erweisen. Und zum Start der Regulierungsbehörde Mitte nächsten Jahres wird es dann nur noch einige hartnäckige Ökostromanbieter geben, die eine Alternative zu den Produkten der ehemaligen Monopolisten bieten.

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