Preisunterschiede

Warum Mobilfunk in Deutschland teurer ist

Die Terminierungsentgelte liegen in Deutschland vergleichsweise hoch, wodurch die Mobilfunkpreise deutlich höher sind als in anderen europäischen Ländern. Im April schaltete sich die EU-Kommission diesbezüglich ein.

Hotspot© lassedesignen / Fotolia.com

Heidelberg (red) - Mobilfunknutzer in Deutschland zahlen trotz regulierter und jahrelang gesunkener Preise mehr als so manche europäische Nachbarn. Was diese Preisunterschiede für hiesige Verbraucher bedeuten und warum die Fusion der Netzbetreiber Telefónica (o2) und E-Plus die Preise wieder klettern lassen könnte, erläutert das unabhängige Verbraucherportal Verivox.

Terminierungsentgelte werden reguliert

In der Bundesrepublik ist die Mobilfunk-Minute teilweise doppelt so teuer wie in den Nachbarländern. Grund sind die sogenannten Terminierungsentgelte, die eine Telefongesellschaft für die Zustellung eines Anrufs in ein fremdes Netz bezahlen muss. In Deutschland hat die Bundesnetzagentur als verantwortliche Regulierungsbehörde die Gebühren seit dem 1. Dezember 2013 auf 1,79 Cent pro Minute festgelegt – die Empfehlung der EU-Kommission liegt EU-weit bei 1,0 Cent pro Minute.

Gemeinkosten werden mitfinanziert

Der Regulierer hält an seiner Methode fest, "die Entgelte auf der Grundlage der Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung zu ermitteln", so die Behörde in einer Mitteilung. "Die Bundesnetzagentur berücksichtigte bislang bei der Festsetzung der Terminierungsentgelte auch Gemeinkosten wie Investitionen in den Ausbau der Breitbandnetze", sagt Verivox-Experte Sven Ehrmann. "Diese Investitionen in die Infrastruktur sollten – gerade wegen der explodierenden Datennutzung – auch in Zukunft nicht zu kurz kommen."

In Deutschland liegen die Preise höher

Im Vergleich zum Jahr 2010 und den damals in Deutschland zu entrichtenden sieben Cent pro Minute bedeutet der aktuelle Preis von 1,79 Cent eine deutliche Senkung, über die sich der deutsche Verbraucher eigentlich freuen könnte. Doch im Vergleich zu den Kosten im europäischen Ausland sind deutsche Entgelte immer noch hoch: In Österreich zahlen Betreiber derzeit 0,80 Cent pro Minute – und damit weniger als die Hälfte der deutschen Gebühr. Schon 2009 lagen die Kosten dort bei nur 4,5 Cent. Auch in Frankreich (0,80 Cent), Italien (0, 98 Cent), Spanien (1,09 Cent) und selbst in Schweden (1,25 Cent) ist das mobile Telefonieren für die Nutzer signifikant günstiger als in Deutschland.

EU-Kommission greift ein

Für die EU-Kommission waren diese auffälligen nationalen Preisunterschiede auf dem europäischen Mobilfunkmarkt Anfang April Anlass, Deutschland erneut zu einer Senkung der Gebühren aufzufordern. Hintergrund: Im EU-Telekommunikationsrecht ist festgehalten, dass die Mitgliedstaaten zum einen die Interessen der Verbraucher schützen und zum anderen den Wettbewerb und die Entwicklung des Binnenmarktes fördern sollen. Die Bundesnetzagentur verstoße mit ihrem Handeln gegen diese Vorgaben, so die Kommission.

Markt braucht Wettbewerb

Nicht nur aufgrund unvermeidbarer Investitionen in die Infrastruktur könnten die Preise für Smartphone-Nutzer in Deutschland erstmals seit Jahren wieder steigen. Das Beispiel Österreich zeigt, wie nachteilig ein konsolidierter Markt für die Preisentwicklung sein kann: Nach der Fusion der Netzbetreiber Hutchison und Orange stellten die verbliebenen drei Betreiber den Wettbewerb quasi ein und die Preise für die österreichischen Verbraucher stiegen – und das zum ersten Mal seit Jahren und trotz Regulierungsmaßnahmen durch die EU-Kommission. Während die Anbieter also profitierten, hatten die Verbraucher das Nachsehen.

Mobilfunkpreise könnten steigen

Auch hierzulande könnte nach der Übernahme von E-Plus durch Telefónica der Wettbewerb auf dem Markt abnehmen. Die Folge wären womöglich steigende Mobilfunkgebühren für deutsche Handynutzer.

Das Tarifangebot für Smartphone-Nutzer in Deutschland ist derzeit noch umfangreich und nicht immer leicht zu durchschauen. Daher ist ein Blick auf die letzte Handyrechnung anzuraten, ehe man einen Online-Tarifrechner zum Preisvergleich nutzt. So finden Verbraucher einen Tarif, der wirklich zum eigenen Telefonverhalten passt.

Handy-Tarife kostenlos vergleichen - hier klicken!
Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
  • Funkmast

    Frequenzauktion: Bieterkämpfe scheinen auszubleiben

    Die Bundesnetzagentur versteigert seit Mittwoch unter den drei großen deutschen Mobilfunkbetreibern ein neues Paket von Funkfrequenzen. Die erste Runde lief unspektakulär ab; die Bieter teilten sich die begehrten Frequenzen gleichmäßig auf.

  • Gaspreise

    Gaspreis: Die Bundesländer im Vergleich

    Die Gaspreise klaffen bundesweit stark auseinander. Laut dem Verivox-Verbraucherpreisindex kann der Preisunterschied beim Gas zwischen den Bundesländern bis zu 35 Prozent betragen. Demnach zahlen die Saarländer am meisten für ihr Gas. In den Stadtstaaten sollen die Preise am niedrigsten sein.

  • Zusammenschluss O2 e-plus

    E-Plus-Deal könnte steigende Preise bedeuten.

    Brüssel rechnet einem Zeitungsbericht zufolge mit einem hohen Preisanstieg durch den Kauf von E-Plus durch Telefónica. Die EU-Kommission hat massive Bedenken gegen den Zusammenschluss; o2 jedoch rechnet mit einer Zustimmung zu dem Deal.

  • Steigende Stromkosten

    Strompreis steigt schneller als Inflationsrate

    Sowohl Gas- als auch Strompreis steigen in Deutschland schneller als die Inflationsrate. Die EU-Kommission vermutet gleich mehrere Ursachen für die Preisentwicklung. Auch auf Seiten der Unternehmen ist das Thema interessant: Deutsche Firmen zahlen deutlich mehr für Energie als in anderen Ländern.

  • Zusammenschluss O2 e-plus

    Auswirkungen der Mobilfunker-Fusion unklar

    Wenn o2 und E-Plus fusionieren, kämpfen nur noch drei Netzbetreiber um Kunden statt vier. Welche Auswirkungen das auf die Verbraucher haben wird, ist unklar. Es könnten sich Chancen, aber auch Risiken ergeben.

Top