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Wachsende Kritik an Vattenfall nach neuer Krümmel-Panne

Nach dem jüngsten Störfall im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Krümmel wächst die Kritik am AKW-Betreiber Vattenfall Europe. Um einen Entzug der Betriebserlaubnis scheint Vattenfall indes nicht fürchten zu müssen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht/Hamburg/Berlin (ddp/red) - Während in Krümmel die Untersuchungen zur Ursache der Panne beim Hochfahren am Samstagmittag weiterliefen, protestierten Greenpeace-Aktivisten gegen einen Weiterbetrieb des Kraftwerks.

Laut Vattenfall ist die Ursache für den Kurzschluss in dem Trafo noch unklar. Der jetzt betroffene Transformator sei seit dem Brand des baugleichen Trafos 2007 "intensiv untersucht und geprüft worden. Wir hatten sowohl von Sachverständigen als auch vom Hersteller die Information, dass der Trafo betriebsbereit ist", sagte eine Sprecherin und wies Kritik zurück, Vattenfall habe sich durch das Vorkommnis als Betreiber von Kernkraftwerken disqualifiziert.

Nach Angaben des für Atomaufsicht zuständigen Kieler Sozialministeriums ist noch unklar, welche Schäden durch den Kurzschluss und die folgende Schnellabschaltung des Reaktors entstanden sind. Laut "Welt" wird die Aufklärung des Vorfalls dadurch erschwert, dass die Anlage zur Aufzeichnung aller Gespräche und Stimmen in der Leitwarte des Kraftwerks ausgeschaltet war. Aufzeichnungen in der "Blackbox" hätten Aufschluss über den Grund der Panne bringen können.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dringt derweil auf einen schnelleren Atomausstieg. Die Behauptung der Atomindustrie, in Deutschland stünden die sichersten Kraftwerke, sei falsch. Das AKW Krümmel "darf nach meiner festen Überzeugung auch so schnell nicht wieder angeschaltet werden".

CDU-Energieexpertin Katherina Reiche wies dagegen Forderungen nach einem Kurswechsel bei den AKW-Laufzeiten zurück. "Die Union bleibt bei ihrer Position - eine Laufzeitverkürzung der Kernkraftwerke steht auch mit Blick auf den Klimaschutz und eine stabile Energieversorgung nicht zur Diskussion", sagte sie und warnte davor, die Pannen in einem AKW zu verallgemeinern.

In Krümmel verriegelten derweil am Montag zehn Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace zeitweise das Werktor der Anlage mit Ketten. Sie wollten damit auf die ihrer Ansicht nach "gefährliche Unzuverlässigkeit des Stromkonzerns Vattenfall als Betreiber von Atomkraftwerken" aufmerksam machen.

Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler verwies auf Parallelen zwischen dem Trafokurzschluss am Samstag und dem Trafobrand im Jahr 2007. Vattenfall sei unfähig, für einen zuverlässigen Betrieb des AKW zu sorgen. "Die Konsequenz kann nur lauten: Entzug der Betreiberlizenz, und Krümmel muss für immer vom Netz", sagte Edler. Er kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Kieler Atomaufsicht. Für den Kurzschluss 2007 sei die Ursache nie gefunden worden. Dennoch sei der Reaktor am 19. Juni 2009 wieder ans Netz gegangen.

Die Umweltorganisation Robin Wood verlangte die sofortige Abschaltung mindestens der sieben ältesten deutschen Atommeiler und Krümmel. "Die sieben ältesten Atommeiler und der Reaktor in Krümmel sind in der Pannenstatistik derart auffallend, dass sie sofort abgeschaltet werden müssen", sagte der Energiereferent der Organisation, Dirk Seifert.

Vattenfall Europe muss aber voraussichtlich nicht um den Entzug der Betriebserlaubnis für das nach einer Pannenserie stillgelegte Atomkraftwerk Krümmel fürchten. "Selbst wenn Mängel an der Zuverlässigkeit des Betreibers festgestellt werden sollten, kommt die Entziehung der Betriebserlaubnis immer nur als letztes Mittel in Betracht", sagte der Kieler Verwaltungsrechtler Wolfgang Ewer der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstagsausgabe). "Das gebietet schon der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz", unterstrich Ewer.

Ewer hatte im Auftrag der Atomaufsichtsbehörde Schleswig-Holsteins bereits nach dem Brand im Atomkraftwerk Krümmel 2007 ein Gutachten über die Zuverlässigkeit des Betreibers Vattenfall erstellt. Darin war er zu dem Ergebnis gekommen, "dass die Betreiberin des Kernkraftwerks Krümmel die im Sinne des Paragrafen 7 Abs. 2 Nr. 1 Atomgesetz erforderliche Zuverlässigkeit besitzt und ein Entzug der Betriebsgenehmigung nicht gerechtfertigt ist".

Auch nach der erneuten Panne in Krümmel sei es eine irrige Vorstellung, dass es nun zu einem schnellen Entzug der Betriebserlaubnis kommen werde, sagte Ewer.

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