Abgas-Skandal

VW vor dem US-Gericht: Weitere Milliardenkosten drohen

Zuletzt war von Autobauer Volkswagen im Zusammenhang mit dem Zulieferstreit die Rede. Dabei steht in den USA bereits die nächste Gerichtsverhandlung an, bei der es um sehr viel mehr Geld geht.

PKW Untersuchung© industrieblick/ Fotolia.com

San Francisco - Volkswagens brisanter Konflikt mit zwei Zulieferern dominiert die Schlagzeilen, doch der Abgas-Skandal birgt weitere Milliarden-Risiken. Im US-Rechtsstreit mit geschädigten Dieselbesitzern, Autohändlern und Behörden hat der Konzern bereits den teuersten Vergleich auf den Weg gebracht, den es in der Autobranche je gegeben hat. Das wird jedoch nicht reichen, um die Affäre beizulegen. Es drohen weitere hohe Kosten.

Im US-Mammut-Rechtsstreit ist es mittlerweile ein monatliches Ritual: An diesem Donnerstag (17.00 MESZ) lädt der zuständige Richter Charles Breyer, bei dem Hunderte Zivilklagen gegen VW gebündelt sind, die Parteien zur Anhörung in San Francisco. Danach könnte möglicherweise etwas klarer werden, was auf VW in den USA noch an offenen Abgas-Rechnungen zukommt.

Worum soll es beider Gerichtsanhörung gehen?

Zehntausende weitere Dieselwagen mit verbotener Software zur Abgaskontrolle. VW hat zwar für den überwiegenden Teil der vom Skandal betroffenen Fahrzeuge einen milliardenschweren Vergleich mit den Klägern aushandeln können. Um rund 85.000 Autos wird aber weiter gestritten. Diese Fahrzeuge, die größere, von der Tochter Audi entwickelte 3,0-Liter-Motoren haben, waren erst später ins Visier der Aufseher geraten.

Rückrufpläne wurden bisher abgelehnt

Bislang konnte der Konzern den Behörden keine akzeptable Lösung zur Umrüstung der Dickschiffe wie VW Touareg, Porsche Cayenne oder Audi A8 präsentieren. Erst im Juli hatte Kalifornien einen Rückrufplan krachend abgelehnt. Zuletzt zeigte sich VW-Anwalt Robert Giuffra zwar zuversichtlich und sagte, man befinde sich auf Kurs, um eine baldige Lösung zu finden. Richter Breyer machte jedoch deutlich, dass seine Geduld begrenzt ist. Er fordert nun detaillierte Vorschläge.

Womit muss VW bei dem 3,0-Liter-Problem rechnen?

"Es gibt ein blaues Auge - die Amerikaner werden unangenehm sein", meint Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Ein Vergleich dürfte zwar wegen der niedrigeren Zahl betroffener Autos erheblich geringer ausfallen als bei den etwa 480.000 Wagen mit kleineren 2,0-Liter-Motoren. Hier zahlt VW bis zu 15,3 Milliarden US-Dollar (aktuell 13,6 Milliarden Euro), um Rechtsstreits beizulegen. In der Summe sind neben Schadenersatz und Kosten für Umrüstung oder Rückkauf illegaler Wagen fast fünf Milliarden Dollar enthalten, die VW in US-Umweltfonds einzahlen muss. Auch wenn man bei den 3,0-Liter-Dieseln glimpflicher davon kommen dürfte - günstig wird es wohl nicht werden.

Experte: Wiedergutmachung wird im dreistelligen Millionen- oder einstelligen Milliardenbereich liegen

Die Wiedergutmachung für die Kunden dürfte wegen der größeren und teureren Wagen höher ausfallen, gibt Dudenhöffer zu bedenken. "Es dürfte sich - je nachdem, ob man eine akzeptierte Techniklösung findet - im höheren dreistelligen Millionen- oder einstelligen Milliardenbereich abspielen." Bislang hat VW 16,2 Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet. Fest steht bereits: Im Gegensatz zu den Kosten für den als "Liefergate" bezeichneten Streit mit den Firmen der Prevent-Gruppe, den Analysten auf rund 100 Millionen Euro schätzen, geht es in den USA um richtig viel Geld.

Was kommt noch auf VW zu?

Es gibt etliche weitere juristische Baustellen. Direkt nachdem die vorläufige Einigung auf den Milliarden-Vergleich erzielt worden war, legten US-Bundesstaaten nach. Maryland, Massachusetts, New York und Pennsylvania klagen wegen Verstößen gegen Umweltgesetze. Der Bundesstaat Washington verhängte bereits eine Strafe von 176 Millionen Dollar. VW strebt auch hier einen Vergleich an, spätestens am 1. November sollen die Verhandlungen beginnen. Weitere US-Staaten könnten noch Ansprüche anmelden, dann würde es noch teurer.

Kunden entscheiden bis zum 16. September

Zudem ermittelt die US-Justiz immer noch wegen möglicher krimineller Vergehen, sodass nach wie vor das Damoklesschwert strafrechtlicher Konsequenzen über dem Konzern hängt. Darüber hinaus ist der 15-Milliarden-Vergleich auch noch nicht in trockenen Tüchern. Bis zum 16. September haben Kunden Zeit zu entscheiden, ob sie das Angebot annehmen. Richter Breyer wird sich bei einer Anhörung am 18. Oktober noch einmal genau über alle Entwicklungen informieren lassen und dann eine endgültige Entscheidung treffen, ob er dem Vergleich zustimmt.

Quelle: DPA

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