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Voruntersuchungen für erstes hessisches Geothermie-Kraftwerk laufen

In Riedstadt haben in dieser Woche die Voruntersuchungen zum möglicherweise ersten hessischen Geothermie-Kraftwerk begonnen. Der Ort ist gut geeignet, da in 2000 bis 2200 Metern Tiefe durch Bewegungen im vulkanischen Felsgestein viele Risse und Hohlräume entstanden, die bis zu 170 Grad heißes Wasser führen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Riedstadt (ddp-hes/sm) - Riedstadt ist bisher hessenweit als Georg-Büchner-Gemeinde bekannt. Der Dichter, Revolutionär und Naturwissenschaftler wurde 1813 im heutigen Ortsteil Goddelau geboren. In etwa zwei Jahren könnte das 21 000 Einwohner zählende Riedstadt im Kreis Groß-Gerau um eine weitere Attraktion reicher sein. Dann nämlich soll dort das erste Erdwärme-Kraftwerk Hessens mit einer Leistung von bis zu vier Megawatt knapp 8000 Haushalte mit Strom versorgen.

Doch bis es so weit ist, sind jede Menge Analysen, Voruntersuchungen, Pilot- und Zweitbohrungen nötig. Für Hans-Jürgen Unger, den Leiter des Amtes für Umwelt und Wirtschaft in Riedstadt, kein Problem. Jahrzehnte zurückliegende Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Erdkruste bei Riedstadt nicht die normale Stärke habe, erläutert er. Der Grund dafür sei die Lage am nördlichen Rand des Oberrheingrabens, einer knapp 300 Kilometer langen und 30 bis 40 Kilometer breiten Tiefebene, die sich von Basel bis nach Frankfurt am Main zieht.

Hohe Temperaturen "nahe" der Erdoberfläche machen das Gebiet um Riedstadt zu einer der wenigen Gegenden in Deutschland und nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Wiesbaden zur wohl einzigen Region in Hessen, an der geothermische Energie wirtschaftlich nutzbar ist. In 2000 bis 2200 Metern Tiefe seien dort durch Bewegungen im vulkanischen Felsgestein viele Risse und Hohlräume - so genannte Klüfte - entstanden, die bis zu 170 Grad heißes Wasser führen, sagt Unger.

Horst Kreuter, Geschäftsführer der Karlsruher HotRock GmbH - ein Unternehmen, das sich der Entwicklung von Kraftwerken zur Erzeugung von Strom aus Erdwärme verschrieben hat -, schätzt die Temperaturen unterhalb von Riedstadt etwas geringer. Aber 130 bis 140 Grad seien es allemal, sagt er. 120 Grad würden zum Kraftwerksbetrieb benötigt. Seit einigen Tagen laufen deshalb die ersten seismischen Voruntersuchungen für das laut Kreuter richtungweisende Projekt.

In ganz Riedstadt fahren derzeit Messwagen herum. Mit Lastplatten an ihrer Unterseite erzeugen sie Erschütterungen, die als Vibrationen in den Untergrund geleitet werden. Mittels im Boden verankerter Messgeräte - die wie Zeltheringe aussehen - werden die Daten aufgezeichnet und anschließend geologisch ausgewertet.

Fallen die oberflächennahen Untergrunduntersuchungen positiv aus, folgt Ende 2005, Anfang 2006 die erste Probebohrung. Im Sommer nächsten Jahres stehen dann Zweitbohrungen zur Absicherung an. Der eigentliche Kraftwerksbau dauert laut Kreuter ungefähr ein Jahr, so dass im Sommer 2007 der erste geothermische Strom fließen könnte.

Dazu wird mit einer ersten Bohrung das heiße Wasser an die Oberfläche gefördert und in das Kraftwerk geleitet. Über einen Wärmeaustausch wird dort aus der thermischen Energie Strom erzeugt. Abgekühlt gelangt das Wasser dann durch eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund.

Der Vorteil an der Geothermie ist laut HotRock die nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit der Erdwärme und deren hohe Versorgungssicherheit. Auch ein Grund, warum sich Riedstadt für das Projekt Erdwärme-Kraftwerk begeistert. Die Gemeinde ließ erste Analysen anfertigen und will für den Bau ein zehn Hektar großes Grundstück zur Verfügung stellen. 300 000 Euro Zuschüsse erhielt HotRock für die derzeit laufenden seismischen Untersuchungen vom Bundesumweltministerium. Kosten würde das Riedstadter Kraftwerk 20 bis 30 Millionen Euro, sagt Kreuter. Wenn es denn mal gebaut wird.

Von ddp-Korrespondent Thomas Badtke

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