Analyse

Volllast: Biogas im Aufschwung

Das bundesweit größte Biogaskraftwerk in Anklam läuft bald unter Volllast. Der Betriebsleiter des Biogasparks, Dieter Schünemann, wird in den kommenden Tagen auch die letzte der fünf Anlagen auf Biogas umschalten. Seit Oktober 2005 lief das Kraftwerk übergangsweise mit Propangas.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Anklam (ddp-nrd/sm) - Derweil gärte in den fünf Fermentern die mit Gülle vermischte Mais-Silage. Immer wenn das entstehende Faulgas einen Methangehalt von mindestens 40 Prozent erreicht hatte, konnte Schünemann den Hebel umlegen und statt Propan das Biogas über den Verbrennungsmotor leiten, der einen 500-Kilowatt-Generator antreibt. Bei vier Anlagen ist das bereits geschehen. Die fünfte folgt nun in den ersten beiden Januarwochen.

Der Strom wird über einen Trafo in das Netz des Stromversorgers E.ON e.dis eingespeist. Ein Teil der Verbrennungswärme hält den Gärbrei in den riesigen Faulbehältern auf "Bakterien-Wohlfühltemperatur" von etwa 38 Grad. Der größte Teil der Abwärme jedoch geht über einen Wärmetauscher zum Heizwerk der Anklamer Wohnungsgesellschaft, die ab Januar ihre gesamte Grundlast auf diese Fernwärme umstellen will. Das teure Öl würde dann nur noch zu Spitzenzeiten benötigt, rechnet Geschäftsführer Lothar Salzsieder.

Der Energieträger Biogas erlebte im vergangenen Jahr einen gewaltigen Aufschwung. Innerhalb eines Jahres hat sich in Deutschland laut Fachverband Biogas die installierte Leistung von 200 Megawatt auf 450 Megawatt mehr als verdoppelt. Der Startschuss für diese Entwicklung fiel am 1. August 2004. Das novellierte Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) trat in Kraft. Das sicherte eine attraktive Mindestvergütung für Strom aus Wind, Sonne, Biogas und Biomasse für 20 Jahre. Damit wurde Biogas, das bisher mehr ein zweites Standbein für innovative Landwirte war, für die Finanzwelt interessant.

Die Fonds mit Unternehmensbeteiligungen an Biogasanlagen schossen wie Pilze aus dem Boden. In der Regel entstanden bisher Anlagen mit einer elektrischen Leistung bis zu 500 Kilowatt. Bis zu dieser Leistungsgrenze gibt es nach EEG die höchste Vergütung. Über 500 Kilowatt erhalten die Betreiber je Kilowattstunde bis zu drei Cent pro Kilowattstunde weniger. Bei angestrebten 8000 Betriebsstunden kommt da eine erkleckliche Summe zusammen.

Der Initiator des Bioparks Anklam, die Regensburger in-Trust AG, ging einen Schritt weiter. Sie legte fünf Fonds auf, die je eine Anlage von 500 Kilowatt finanzieren. Die Anlagen wurden jedoch im Gewerbepark der ostvorpommerschen Kreisstadt Anklam auf einem gemeinsamen Betriebsgelände gebaut und werden von einer rechtlich selbstständigen Betreibergesellschaft bewirtschaftet. Das senkt nicht nur Infrastrukturkosten je Anlage. Es ermöglicht auch die Einstellung von drei Spezialisten, die einen effizienten Betrieb gewährleisten sollen. Eine kleine Anlage muss mehr nebenher betreut werden.

Vor allem jedoch reicht die Abwärme, um rund 1000 Haushalte zu beheizen. Diese Kraft-Wärme-Kopplung bringt nicht nur weitere Einnahmen, sie wird nach EEG auch noch mit weiteren zwei Cent pro Kilowattstunde vergütet. E.ON e.dis muss den Anlagenbetreibern insgesamt 16,87 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Würde der Park als eine Einzelanlage mit 2,5 Megawatt behandelt, gäbe es nur 14,12 Cent je Kilowattstunde. Auf Grundlage dieser Vergütung stellt der bayerische Finanzdienstleister in-Trust trotz einer relativ hohen Investition von elf Millionen Euro über die 20-jährige Gesamtlaufzeit des Fonds eine Verzinsung von 25 Prozent in Aussicht.

Die Parkidee wird deshalb wohl das Zukunftsmodell sein. So will die Nawaro Bioenergie AG Leipzig ab Mai bei Güstrow sogar einen Energiepark mit 40 Biogasanlagen zu je 500 Kilowatt errichten. Damit lohnt es sich, die Gärrückstände gleich an Ort und Stelle in einem neuen Werk zu verarbeiten und als Dünger zu verkaufen.

Von ddp-Korrespondent Edgar Offel

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