Mega-Deal

Vodafone verkauft Anteile von Verizon

Einer der größten Deals in der Wirtschaftsgeschichte steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Demnach verkauft der britische Mobilfunkriese Vodafone seinen 45-Prozent-Anteil am amerikanischen Mobilfunker Verizon Wireless an dessen Mutterkonzern Verizon.

Vodafone© Vodafone GmbH

Newbury/New York (dpa-AFX/red) - Dieser hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg der Komplettübernahme seiner Mobilfunktochter für rund 130 Milliarden Dollar (98,5 Milliarden Euro) zugestimmt. Vodafone soll das Geld für seinen Anteil je zur Hälfte in Aktien und bar erhalten, wie Bloomberg am späten Sonntagabend unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtete.

Aktienmarkt reagiert positiv

Vodafone (www.vodafone.de) bestätigte am Montagmorgen, dass die Gespräche weit fortgeschritten seien. Eine offiziellen Erklärung der Unternehmen könnte nach Medienberichten bereits am Montag nach Börsenschluss erfolgen. Am Aktienmarkt kam dies gut an. Die Vodafone-Papiere zogen am Morgen deutlich an und stiegen auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Im frühen Handel legten sie um 4,15 Prozent auf 214,7 Pence zu.

Kredit über 60 Milliarden zur Finanzierung

Das amerikanische Unternehmen will den Kauf unter anderem mit einem Kredit über mehr als 60 Milliarden Dollar stemmen. Dieser soll zu gleichen Teilen von der Bank of America, Barclays, JPMorgan und Morgan Stanley kommen. Zudem will Verizon den 23-prozentigen Anteil an Vodafone Italia abgeben. Die Briten wollen wiederum nicht allzu lange einen großen Anteil an Verizon halten. Die Anteile, die sie für den Verkauf des Mobilfunkunternehmens erhalten, sollen schnell an die eigenen Aktionäre weitergereicht werden.

Mit dem Verkauf seines US-Geschäfts würde sich Vodafone von einem seiner wertvollsten Konzernteile trennen. Die Briten schlagen seit einiger Zeit Sparten los, die sie nicht vollständig kontrollieren. So hatte der britische Konzern unter anderem auch seinen Anteil am zweitgrößten französischen Mobilfunker SFR verkauft. Allerdings braucht Vodafone aber auch dringend Geld, um das Europageschäft auf Vordermann zu bringen. Hier ist Vodafone wegen der starken Konkurrenz unter anderem durch die Deutsche Telekom einem erheblichen Preisdruck ausgesetzt.

Vodafone-Chef will Europageschäft voranbringen

Konzernchef Vittorio Colao holt deshalb zum Befreiungsschlag aus und setzt auf die Verbindung von Mobilfunk und Kabelnetzen, um so ein Paket von Mobilfunk, Festnetz, Internet und Fernsehen anbieten zu können. Dafür setzt Colao auf Zuläufe von Kabelnetzbetreibern. So kaufte er in Großbritannien den Glasfasernetzbetreiber Cable & Wireless für rund eine Milliarde Pfund. Und auf dem wichtigen deutschen Markt will Colao Kabel Deutschland (www.kabel-deutschland.de) übernehmen. Er bietet 87 Euro je Aktie. Sollte die Übernahme gelingen, müsste er knapp elf Milliarden Euro auf den Tisch legen. Vodafone könnte also eine ordentliche Kapitalspritze wie etwa aus dem Verkauf der Verizon-Wireless-Anteile gut gebrauchen.

Verizon wiederum hatte in der Vergangenheit schon mehrfach Interesse angemeldet, die volle Kontrolle über die Mobilfunktochter zu übernehmen. Das US-Unternehmen hätte damit wieder freie Hand, um Verizon Wireless für den zunehmend härteren Kampf auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt zu rüsten. Im April sollen Vodafone und Verizon bereits über den jetzt anstehenden Mega-Deal gesprochen haben. Doch zu diesem Zeitpunkt lagen die Preisvorstellungen der beiden Partner offenbar noch weit auseinander. Jetzt scheinen sie sich zu treffen.

Quelle: DPA

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