"Völlig überzogen"

VIK: Zu hohe Stromnetzentgelte bei vermutlich 114 Netzbetreibern

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft drängt auf den baldigen Beginn der Energiemarktregulierung - angesichts immenser Preisunterschiede bei den Netzentgelten und zu hohen Preisen sei das Eingreifen einer Regulierungsbehörde "dringend erforderlich". Seit 2002 habe sich an dem unbefriedigenden Zustand "nichts geändert".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen (red) - Bei insgesamt 114 Stromnetzen besteht der Verdacht, dass die Betreiber ihren Kunden überhöhte Netzentgelte in Rechnung stellen. Stromkunden können die Offenlegung der dabei zugrunde liegenden Netzpreiskalkulationen einfordern. Betroffen seien nach Angaben des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) 31 Prozent der Hochspannungsnetzbetreiber (15 von 48 Unternehmen), sieben Prozent der Mittelspannungsnetzbetreiber (44 von 605) und neun Prozent der Niederspannungsnetzbetreiber (55 von 646). Dies zeigt die aktuelle VIK-Auswertung der Netznutzungsentgelte deutscher Stromnetzbetreiber.

Die immensen Preisunterschiede zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Netznutzungsentgelt bei vergleichbaren Netzbetreibern innerhalb einer Strukturklasse seien laut VIK "völlig überzogen". Die Zahlen im Detail: In der Hochspannungsebene liege der maximale Preis innerhalb einer Strukturklasse um 0,62 Ct/kWh, also um 51 Prozent über dem niedrigsten Preis (min: 1,21 Ct/kWh, WEMAG AG; max: 1,83 Ct/kWh, HSN Magdeburg GmbH). In der Mittelspannungsebene liege dieser Unterschied mit 2,35 Ct/kWh schon bei 122 Prozent (min: 1,93 Ct/kWh, Energieversorgung Beckum; max: 4,28 Ct/kWh, Elektrizitätswerke Hindelang). In der Niederspannungsebene liege der Unterschied mit 4,66 Ct/kWh sogar bei 150 Prozent (min: 3,11 Ct/kWh, BremenPORTS Management+Service GmbH & Co.KG; max: 7,77 Ct/kWh, Schnörringer Elektrizitätsgenossenschaft).

Dies ist für den VIK, der die Interessen der energieintensiven Unternehmen in Deutschland vertritt, ein "unbefriedigender Zustand". Seit dem ersten Strukturklassen-Vergleich Ende 2002 habe sich an den völlig überzogenen Preisunterschieden nichts geändert. Es werde Zeit, dass die Arbeit der Regulierungsbehörde beginne und zu einer Angleichung der Netzentgelte und zu einer Absenkung des insgesamt zu hohen Preisniveaus führe. Um möglichst viele Netzbetreiber besser vergleichen und mehr Effizienzdruck auf sie auszuüben zu können, sei, so der VIK, ein System zu entwickeln, das den Vergleich aller Netze erlaube. Bisher seien in 20 der 50 Strukturklassen nur maximal zwei Netzbetreiber vertreten; dies mache einen belastbaren Vergleich unmöglich.

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