Neue Anbieter benachteiligt

VIK-Vergleich: Strommesspreise variieren um über 160 Prozent

Enorme Preisunterschiede bei der Strommessung, Benachteiligung wechselwilliger Kunden und neuer Anbieter sowie die Weigerung, Messwerte auszuhändigen - das sind die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung des Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Aus diesem Grund fordert der Verband auch eine Liberalisierung des Abrechnungsmarktes.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Um mehr als das Zweieinhalbfache unterscheiden sich z.B. die Messpreise der Netzbetreiber für Kunden mit einer Viertelstunden-Leistungsmessung im Mittelspannungsnetz. Der Preisunterschied für die monatliche Datenbereitstellung liegt zwischen 1651 Euro pro Jahr bei den Stadtwerken Hannover und 624 Euro pro Jahr bei den Stadtwerken Duisburg. Auch bei RWE Net gibt es laut VIK Grund zur Kritik: Das Kartellamt hatte das Unternehmen vor einigen Monaten aufgefordert, im Haushalts- und Gewerbekundenbereich ihre Preise bei Wechselstrom-Eintarifzählern von 32 auf 20,35 Euro, bei Drehstrom-Eintarifzählern von 36 auf 22,90 Euro pro Jahr und bei Drehstrom-Zweitarifzählern von 72 auf 37,41 Euro pro Jahr zu senken. Dies ist laut VIK bisher noch nicht geschehen.

Der VIK kritisiert zudem, dass ein Industrie- oder Gewerbekunde beim Wechsel zwischen Stromlieferanten häufig zusätzliche Messkosten tragen muss. Dies gehe auf eine Empfehlung des Netzbetreiberverbands (VDN) zurück, der eine teuere Umrüstung und Abrechnung nach Messwerten gerade bei wechselwilligen Unternehmen vorschlägt. Dieses Vorgehen diskriminiere Drittversorger. Wegen dieser Hürde sei der Versorgerwechsel für viele Kunden erst ab einem Stromverbrauch von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr interessant. Der VIK empfiehlt, endlich die vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten Best-practice-Regeln anzuwenden. Diese sehen bis zur Grenze von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr aus kaufmännischen Gründen die Abrechnung nach Standard-Lastprofilen und somit ohne Zusatzmesskosten vor.

Der Verband bemängelt außerdem die Weigerung einiger Netzbetreiber, den Kunden Zugriff auf deren eigene Messdaten zu gewähren. Dadurch werde es Industriekunden erheblich erschwert, ihren eigenen Stromverbrauch zu beeinflussen und ihr Nachfrageverhalten zu optimieren.

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