EEX-Strompreise keine Referenzwerte

VIK-Strompreisindex auf Höchststand

Der vom VIK ermittelte Strompreisindex für Mittelspannungskunden ist im September auf Höchststand und allein in den letzten fünf Monaten um neun Prozent gestiegen. Grund: Immer mehr Stromanbieter orientierten sich an den EEX-Preisen, obwohl diese mit den realen Beschaffungskosten der EVUs wenig zu tun hätten.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Essen (red) - Mit 126,49 Punkten liegt der VIK-Strompreisindex für Mittelspannungskunden in der Industrie im September 2004 auf seinem absoluten Höchststand, teilte der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) heute mit. Er liege nun 1,24 Prozent über dem Vormonatsniveau und sei damit allein in den zurückliegenden fünf Monaten um fast neun Prozent gestiegen.

Nach Angaben des Verbandes orientieren sich immer mehr Stromanbieter bei der Angebotsabgabe für Vollversorgungsverträge an den EEX-Großhandelspreisen, die in den VIK-Strompreisindex eingehen. Diese EEX-Preise hätten allerdings häufig mit den realen Beschaffungskosten der Versorgungsunternehmen selbst wenig zu tun. Die Beschaffungskosten der Stromanbieter seien vielfach von Eigenerzeugung und langfristigen Stromlieferverträgen zwischen Handel und Kraftwerksgesellschaften weit unterhalb der derzeitigen Börsenpreise geprägt. Nur ein Teil des Strombezugs der Versorger würde tatsächlich über den Großhandel abgedeckt.

Mehr als fraglich sei es deshalb, den Börsenpreis als alleinige repräsentative Referenz für Stromangebote zu nutzen, gibt der VIK zu bedenken. Denn die Stromnachfrage am EEX-Markt sei relativ begrenzt. Das Argument der Versorgungswirtschaft bei Stromliefervertragsverhandlungen gegenüber Kunden, "wenn Sie den Strom nicht zum EEX-Terminmarktpreis kaufen, verkaufen wir ihn eben dort", habe nach Einschätzung des VIK keine belastbare Grundlage. Würde der Versorger tatsächlich versuchen, nennenswerte zusätzliche Strommengen über die EEX zu verkaufen, würden wegen der begrenzten Nachfrage dort die Preise sofort sinken.

Die VIK-Schlussfolgerung: Zwar repräsentiere die EEX einen wichtigen Teilmarkt bei der Strombeschaffung, repräsentativ für die gesamte Strompreisbildung sei dieser aber derzeit auf keinen Fall. Für den VIK ist es daher ganz normal, wenn es weiterhin Stromlieferverträge auch unterhalb des Großhandelspreisniveaus gibt.

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