Teuer kalkulieren - preiswert investieren

VIK: Nettosubstanzerhaltung ermöglicht versteckte Gewinne

Die in der Netzentgelt-Verordnung festgelegte Nettosubstanzerhaltung wird es Netzbetreibern ermöglichen, trotz ineffizienter Leistungsbereitstellung weiterhin hohe Gewinne zu erzielen. Das befürchtet zumindest der VIK und fordert deshalb, kostenmindernde Einflüsse auch an die Kunden weiterzugeben.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (red) - Betreiber von Strom- und Erdgasnetzen können auch zukünftig trotz ineffizienter Leistungsbereitstellung weiter hohe Gewinne erzielen, befürchtet der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). Grund: Eine entsprechende Formulierung in der gegenwärtig in der Ressortabstimmung befindlichen Verordnung über die Stromnetzentgelte sehe eine Abschreibung nach dem Prinzip der Nettosubstanzerhaltung vor.

Was sich nach Einschätzung des Verbandes abzeichnet, zeige ein Beispiel aus der Telekommunikation: Vor 30 Jahren seien teure Kupferkabel wesentlicher Bestandteil der Netzkosten gewesen, heute würden viel leistungsfähigere und billigere Glasfaserkabel eingesetzt. Nach dem Prinzip der Nettosubstanzerhaltung werde bei der Höhe der anzusetzenden Abschreibungen so getan, als würde immer wieder unverändert in teure Kupferkabel investiert. Dementsprechend überhöht seien die kalkulierten Preise.

Das Prinzip der Realkapitalerhaltung dagegen berücksichtige die zukünftigen Investitionen in preiswertere Glasfaserkabel. Der Unterschied in beiden Preisen liege also - bei Verwendung des Nettosubstanzerhalts - in den als Kosten deklarierten Gewinnen der Netzbetreiber, die zwar teuer kalkulieren, aber preiswert investieren. Der VIK fordert deshalb, kostenmindernde Einflüsse - z.B. durch technologische Entwicklungen - auch an die Kunden weiterzugeben. Der Verordnungsgeber soll daher vom Prinzip des Nettosubstanzerhalts auf das der Realkapitalverzinsung umschwenken.

Die preistreibende Wirkung der Nettosubstanzkalkulation werde in den nächsten Jahren noch zunehmen, weil sich die Belastungen der Netzentgelte bei dieser Methode insbesondere in den letzten Jahren der Nutzungsdauer besonders stark erhöhen und sich ein großer Teil der in Deutschland vorhandenen Netze in dieser Phase befinde, sieht der VIK voraus und weist darauf hin, dass das Wirtschaftsministerium das Realkapitalerhaltungsprinzip schon im Jahre 1989 als die gegenüber der Nettosubstanzerhaltung überlegene Methode in "wettbewerbsfreien" Märkten erkannt habe.

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