Unbefriedigend

VIK: 116 Netzbetreiber mit überhöhten Stromnetzentgelten

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) hat erneut die Netznutzungsentgelte von deutschen Stromnetzbetreibern untersucht und dabei wiederum eine hohe Spreizung festgestellt. Bei 116 Unternehmen bestehe der Verdacht, dass den Kunden überhöhte Netzentgelte in Rechnung gestellt würden.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Bei insgesamt 116 Stromnetzbetreibern besteht der Verdacht, dass sie ihren Netzkunden überhöhte Netzentgelte in Rechnung stellen. Dazu gehören nach Angaben des Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) 37,5 Prozent der Hochspannungsnetzbetreiber (18 von 48 Unternehmen), 7,2 Prozent der Mittelspannungsnetzbetreiber (43 von 598) und 9,1 Prozent der Niederspannungsnetzbetreiber (58 von 637). Dies zeigt die aktuelle VIK-Auswertung der Netznutzungsentgelte deutscher Stromnetzbetreiber nach den Kriterien der geltenden Verbändevereinbarung Strom II plus.

>Außerdem liege die Spreizung zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Netznutzungsentgelt in der Spitze bei bis zu 150 Prozent und sei damit völlig überzogen.

Die Zahlen im Detail: In der Hochspannungsebene nimmt der günstigte Anbieter, die Schweriner Wemag, ein Netznutzungsentgelt von 1,21 Cent pro Kilowattstunde. Der maximale Preis (e.dis) liegt mit 0,38 Cent pro Kilowattstunde um 31 Prozent über dem Wemag-Preis. In der Mittelspannungsebene liegt laut VIK dieser Unterschied mit 2,35 Cent pro Kilowattstunde schon bei 122 Prozent. Hier befinden sich die Energieversorgung Beckum mit 1,93 Cent am einen und die Elektrizitätswerke Hindelang mit 4,28 Cent pro Kilowattstunde am anderen Ende der Skala. In der Niederspannungsebene liegt der Unterschied mit 4,66 Cent pro Kilowattstunde sogar bei 150 Prozent. Hier kostet die Netznutzung 3,11 Cent bei der BremenPORTS Management + Service GmbH & Co.KG und 7,77 Cent pro Kilowattstunde bei der Schnörringer Elektrizitätsgenossenschaft.

Die Idee der Strukturklassen führe zu einer Gegenüberstellung vergleichbarer Netzbetreiber, erläutert der VIK. Netzbetreiber aus den teuersten 30 Prozent einer solchen Klasse können von ihren Kunden zur Offenlegung ihrer Netzpreiskalkulation aufgefordert werden. Derzeit haben allerdings von den etwa 900 deutschen Stromnetzbetreibern nur etwa zwei Drittel ihre Entgelte veröffentlicht.

Dies ist für VIK ein unbefriedigendes Untersuchungsergebnis. Der Verband, der die Interessen der energieintensiven Unternehmen in Deutschland vertritt, sieht hier noch vor der Arbeitsaufnahme der Wettbewerbsbehöde dringenden Handlungsbedarf. Um eine bessere Vergleichbarkeit möglichst vieler Netzbetreiber zu erreichen und damit Effizienzdruck auf die Netzbetreiber auszuüben, müsse die Anzahl der verschiedenen Strukturklassen gesenkt werden. Noch immer seien in 16 der 50 Strukturklassen nur maximal zwei Netzbetreiber vertreten, was einen belastbaren Vergleich unmöglich mache.

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