Gasvergiftung

Vier Tote bei Unglück in Biogasanlage

Ein bisher ungeklärter Gasaustritt in einer nordrhein-westfälischen Biogasanlage hat gestern das vierte Todesopfer gefordert. Neben dem 43-jährigen Betriebsleieter sind auch der 55-jährige Kraftfahrer einer niederländischen Zulieferfirma und zwei Mitarbeiter im Alter von 27 und 32 einer schweren Gasvergiftung erlegen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Rhadereistedt (ddp-nrd/sm) - Nach dem Unglück in einer Biogasanlage in Rhadereistedt (Landkreis Rotenburg) ist die Zahl der Todesopfer auf vier gestiegen. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, starb ein 55 Jahre alter Kraftfahrer einer niederländischen Zulieferfirma am Mittag im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen.

In der Nacht war eine 32-jährige Frau einer schweren Gasvergiftung erlegen. Am Dienstag waren der 43 Jahre alte Betriebsleiter der Anlage und ein 27 Jahre alter Mitarbeiter gestorben. Aus bislang ungeklärter Ursache war aus der Anlage Gas ausgetreten. Ein 25-Jähriger schwebt noch in Lebensgefahr. Zehn Feuerwehrmänner erlitten Hautreizungen.

Am Mittwoch lief die Suche nach der Schadensursache auf Hochtouren. Bislang war das Leck, aus dem eine Gasmischung aus brennbarem Methan sowie Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid und Ammoniak ausgetreten sein soll, nicht gefunden worden. Bis zum Mittag hatte ein Expertenteam Messungen an der Produktionshalle der Anlage vorgenommen. Dort lagen die Messwerte von Schwefelwasserstoff, dem Gas, das vermutlich zum Tod der vier Opfer führte, noch deutlich über der maximalen Arbeitsplatzkonzentration. Erst wenn die Hallentore geöffnet würden, sollte die Gaskonzentration abgesenkt werden. Vorher sei eine Untersuchung nicht möglich.

In der Nacht zu Mittwoch wurde der Bereich um die Anlage großräumig abgesperrt und bewacht. Das Gelände darf nur mit Atemschutzmaske betreten werden. Die Polizei rechnet damit, dass die Untersuchungen noch mehrere Tage andauern. Spekulationen über die Ursache des Unglücks deuten indes darauf hin, dass beim Entleeren eines Tankfahrzeugs mit gehäckselten Schweinedärmen eine Schwefelwasserstoffwolke in ungewöhnlich hoher Konzentration frei geworden war, hieß es aus dem Gewerbeaufsichtsamt Cuxhaven.

In der 1999 erbauten Biogasanlage bei Zeven werden Bioabfälle aus Landwirtschaft und Haushalten sowie Speisereste verarbeitet. Mit den Abfällen wird Methangas produziert, das in Blockheizkraftwerken in Wärme und Strom umgewandelt wird.

Von Daniela Schmitz

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