VIAG-Aktionäre: Zustimmung zur Fusion erwartet

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Nachdem die Aktionäre der Veba AG am vergangenen Freitag mehrheitlich für die Fusion mit der Münchner Viag AG gestimmt hatten, hat heute die Hauptversammlung der VIAG in München begonnen. Zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es noch keine Entscheidung der Aktionäre, die Anteilseigner der VIAG hatten sich schon in der letzten Woche für eine Fusion der Mischkonzerne entschieden. Allerdings erwarten Branchenkenner, dass die außerordentliche Hauptversammlung der Verbindung der beiden Unternehmen ebenfalls grünes Licht gibt. Die HypoVereinsbank und der Freistaat Bayern sind Hauptaktionäre der Viag. Aus der fusionierten Veba und Viag AG würde das drittgrößte deutsche Industrieunternehmen entstehen. Der Jahresumsatz würde 76 Milliarden Euro (148 Milliarden Mark) betragen. Mit 220 000 Mitarbeitern sollen die Kernbereiche Spezialchemie und Energie konsequent ausgebaut werden. Einen Namen für das Unternehmen gibt es noch nicht, dieser soll erst im Frühjahr vorgestellt werden. Klar ist hingegen, wer die Führung übernehmen wird: Viag-Chef Simson und Veba-Chef Ulrich Hartmann. Aufsichtsratschef wird Klaus Liesen.


Viag-Vorstandschef Wilhelm Simson schwor heute in München die 1100 Aktionäre auf einen gemeinsamen Kurs ein. Mit der Veba als Partner könnte die Viag die Chancen der Deregulierung und Globalisierung nutzen. Gerade im Energiebereich gleicht der Zusammenschluss der Konzerntöchter PreussenElektra und Bayernwerk der Entstehung eines Riesen. Zusammen wären sie der drittgrößte Stromversorger in Europa. Der Umsatz im Energiebereich soll in den nächsten fünf Jahren auf 30 Milliarden Euro verdoppelt werden, kündigte Simon an. Im Spezialchemiebereich entstünde sogar die weltweit größte Gruppe. Die Bereiche Telekommunikation und Immobilienmanagement sollen auch weiterentwickelt werden, wohingegen die anderen Unternehmenstöchter verkauft würden. Simson gab an, dass durch Synergien und Kostensenkungsprogramme jährlich etwa 2,1 Milliarden Euro eingespart werden könnten.


Während sich die Veba und die Viag scheinbar über eine Fusion einig sind, hat die EU-Kommission über die Rechtmäßigkeit noch nicht entschieden. Wilhelm Simson sieht darin jedoch keinerlei Gefahr. Er erwartet die Zustimmung bis Mai.


Ob die Entscheidung der Viag-Aktionäre für eine Fusion ebenso klar ausfällt, wie die der Veba-Aktionäre bleibt noch ungewiss. Denn der außerordentlichen Hauptversammlung liegen fünf Gegenanträge vor. Die Antragsteller sind der Dachverbands der kritischen Aktionäre und Atomkraftgegner. Ihre Kritik: Der Freistaat Bayern hat für sein Aktienpaket zu viel Geld erhalten. Das gehe zu Lasten der Kleinaktionäre. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jörg Pluta, bemängelte vor allem die Tatsache, dass das Land Bayern ein Vorschlagsrecht für den Aufsichtsrat behalte. Zudem ist den Antragstellern der Abbau von mehr als 2500 Arbeitsplätzen ein Dorn im Auge und sie fordern eine intensivere Förderung von regenerativen Energien. Sollten alle Seiten der Fusion zustimmen, würden die Aktionäre für fünf Aktien der Viag zwei Aktien der Veba erhalten. Das Werteverhältnis von 35,5 Prozent für die Viag und 64,5 Prozent für die Veba hatten Wirtschaftsprüfer errechnet.


Annika Krisp

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