Monitoringbericht

Verwirrung: Doch neue Stromautobahnen in 2013

Der Ausbau der Stromautobahnen geht wenig erfolgreich voran – bloß die Hälfte der gesteckten Ziele zum Netzausbau werden voraussichtlich erreicht. Nun hat sich auch noch der Netzagentur-Chef höchstselbst mit verwirrenden Äußerungen ins Abseits gestellt.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Bonn (dpa/red) - Entgegen der bisherigen Darstellung der Bundesnetzagentur sind 2013 nach Angaben der Netzbetreiber über 50 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen gebaut worden. In Ostdeutschland kamen 22 Kilometer hinzu, teilte der Betreiber 50Hertz am Mittwoch auf Anfrage mit. Zudem stellte Amprion die 30 Kilometer lange Strecke Grafschaft-Sechtem in Nordrhein-Westfalen fertig.

Die Branche wundert sich

Bundesnetzagentur-Chef Jochen Homann hatte gesagt, im laufenden Jahr sei von den Projekten des Ausbauprogramms EnLAG kein einziger neuer Leitungskilometer tatsächlich gebaut worden. Seine Behörde steuert und kontrolliert den Netzausbau in Deutschland. In Fachkreisen wurde Verwunderung über Homanns Aussagen geäußert.

Am Mittwoch räumte der Präsident der Bundesnetzagentur ein: "Wenn die Übertragungsnetzbetreiber jetzt in geringfügigem Umfang Baufortschritte melden, dann ist das zu begrüßen." Nun komme es darauf an, dass die Teilabschnitte auch rasch fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. "Insgesamt kommt der Ausbau der Stromnetze nach dem EnLAG bisher jedoch nur sehr langsam voran», betonte Homann.

Woher die erste Äußerung stammte

Er erklärte seine inzwischen überholte Einschätzung damit, dass die letzte Abfrage bei den Bundesländern ergeben habe, dass es keinen Baufortschritt gebe - und sich daran bis zum Jahresende nichts ändern würde. Daraufhin hatte Homann betont, dass 2013 weiterhin nur 268 Kilometer des auf 1855 Kilometer vordringlichen Bedarf veranschlagten Programms umgesetzt seien. Das Programm läuft seit 2009 - unabhängig vom neuen Netzausbau-Beschleunigungsprogramm, das drei große Nord-Süd-Trassen mit 2800 Kilometern Länge in den nächsten zehn Jahren vorsieht.

In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber, die für das Netz der besonders leitungsstarken Höchstspannungstrassen zuständig sind. Im Bereich des ostdeutschen Betreibers 50Hertz wurden 2013 rund 20 Kilometer im zweiten Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung gebaut. Der Abschnitt nach Altenfeld in Thüringen ist insgesamt 59 Kilometer lang. Zudem wurden zwei Kilometer auf deutscher Seite bei der Netzverstärkung der Leitung Vierraden (Uckermark) nach Krajnik in Polen von 220 auf 380 Kilovolt gebaut, teilte 50Hertz mit.

Im nächsten Jahr soll deutlich mehr passieren

Der Betreiber Tennet betonte, dass im laufenden Jahr auf der Strecke Hamburg/Nord - Dollern erste Bauarbeiten begonnen hätten. Der Betreiber TransnetBW erklärte, es seien auch in seinem Gebiet mehrere Kilometer an neuen Leitungen gebaut worden oder befänden sich kurz vor Abschluss der Arbeiten - beispielsweise das EnLAG-Projekt Neckarwestheim - Mühlhausen. Eine Sprecherin verwies jedoch auf eine Definitionsfrage: "Diese Projekte beziehungsweise Kilometer werden erst dann als neue Leitungen gezählt, wenn nach Abschluss der Bauarbeiten auch noch die Inbetriebnahme erfolgt ist."

Insgesamt wird bei den im Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) definierten Ausbauvorhaben für 2014 mit einer deutlichen Bauzunahme gerechnet.

Quelle: DPA

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