Gas aus Zentralasien

Vertrag über Nabucco-Pipeline unterzeichnet

Die EU hat einen wichtigen Schritt zur Sicherung ihrer Energieversorgung getan. In Ankara unterzeichneten die Regierungen von vier EU-Länder und der Türkei am Montag ein Abkommen für das Pipeline-Projekt Nabucco, das von 2014 an jedes Jahr 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Zentralasien über die Türkei nach Europa bringen soll.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Ankara (afp/red) - Die 3300 Kilometer lange Rohrleitung wird etwa acht Milliarden Euro kosten und von der Türkei bis nach Österreich führen. In Anschluss-Pipelines soll das Gas aus den Lieferländern Zentralasiens herangeschafft werden. An dem Projekt ist auch der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt.

Das Projekt sei von vitaler Bedeutung für die energiepolitische Sicherheit der EU und der Türkei, sagte EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso bei der Unterzeichnungszeremonie. Mit dem Regierungsabkommen der Türkei mit den vier EU-Partnerländern Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich sei das lange umstrittene Pipelineprojekt nun unumkehrbar geworden.

Weniger von Russland abhängig

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "historischen Moment". Die Türkei sei eine Brücke zwischen den Gaslieferanten in Zentralasien und den westeuropäischen Abnehmern. Erdogan zeigte sich überzeugt, dass das Projekt auch der türkischen EU-Kandidatur helfen werde.

Mit Hilfe von Nabucco wollen EU und Türkei in Zukunft Situationen wie in den vergangenen Jahren vermeiden, als Meinungsverschiedenheiten zwischen Russland und der Ukraine zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Gasversorgung mitten im Winter führten. Derzeit bezieht die EU rund 25 Prozent ihres Erdgases aus Russland; der Anteil ist in südosteuropäischen Ländern noch wesentlich höher. Auch die Türkei ist mit einem russischen Gasanteil von 60 Prozent in hohem Maße von Moskau abhängig.

Gas-Lieferländer sind unklar

Trotz des ehrgeizigen Projektes ist bisher unklar, aus welchen Ländern das Gas für Nabucco kommen soll. Aserbaidschan hat seine Teilnahme zugesagt, wird nach Expertenmeinung aber nicht mehr als vier der angestrebten 31 Milliarden Kubikmeter pro Jahr liefern können. Mögliche andere Lieferanten sind Turkmenistan, Irak und Ägypten.

Der irakische Premier Nuri al-Maliki sagte in Ankara, sein Land könne 15 Milliarden Kubikmeter Gas beisteuern. Nach Einschätzung eines US-Diplomaten ist diese Zusage aber mit Vorsicht zu genießen, weil es in Irak noch keine Einigung zwischen der Zentralregierung und der ressourcenreichen kurdischen Autonomiezone über die Aufteilung der Bodenschätze gebe.

Abkommen-Unterzeichnung mehrmals verzögert

Die Unterzeichnung des Abkommens hatte sich mehrmals verzögert. Ein Grund waren türkische Forderungen, 15 Prozent des Nabucco-Gases für den Eigenverbrauch oder den Weiterverkauf entnehmen zu dürfen. Nach EU-Angaben soll vereinbart werden, dass die Türkei im Fall von Versorgungsengpässen Gas aus europäischen Vorratslagern erhält.

Kritik an dem Projekt kam von Alexander Ulrich, Obmann der Linken im EU-Ausschuss des Bundestages. Das Geld für Nabucco wäre besser in erneuerbare Energien gesteckt worden, erklärte Ulrich. Das Engagement des früheren Bundesaußenministers Joschka Fischer, der kürzlich als Berater für Nabucco verpflichtet worden war, sei ein "ökologisches Armutszeugnis".

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