Teure Pillen

Arzneimittel-Patente: Kostengrab für Krankenkassen

Für die gesetzlichen Krankenkassen werden patentgeschützte Medikamente verstärkt zu einer finanziellen Belastung. Durch die Patente dürfen die Wirkstoffe 20 Jahre lang nicht durch andere Unternehmen kopiert werden. Durch das Monopol kommt es zu erhöhten Preisen.

Geld© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Patentgeschützte Medikamente entwickeln sich immer mehr zu einer finanziellen Belastung für die gesetzlichen Krankenkassen. Betrugen die Kosten im Jahr 1993 noch 1,7 Milliarden Euro, waren es im Jahr 2010 bereits 14,2 Milliarden Euro, heißt es im jüngsten "Arzneiverordnungs-Report 2011" der Krankenkasse AOK, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Medikamente teilweise doppelt so teuer

Patentgeschützte Arzneimittel sind Medikamente mit einem neu entwickelten Wirkstoff, die 20 Jahre lang von keinem anderen Unternehmen kopiert werden dürfen. "Ein Vergleich hat gezeigt, dass die Packung des umsatzstärksten Arzneimittels in Deutschland mit 4.393 Euro fast doppelt so teuer ist wie in Großbritannien", sagte der Mitautor der Studie, Ulrich Schwabe. Damit ergebe sich allein für dieses Produkt ein Einsparpotenzial von 187 Millionen Euro.

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Ausgaben der Kassen um 330 Millionen Euro gestiegen

Insgesamt haben sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen für Arzneimittel in Deutschland im vergangenen Jahr um 330 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr erhöht und betrugen 32 Milliarden Euro. Der Anstieg fiel mit einer Steigerung um ein Prozent deutlich geringer aus als im Jahr 2009. Die Autoren des Reports führen diese Entwicklung auf die Rabattverhandlungen mit der Pharmaindustrie und das Arzneimittelneuordnungsgesetz der Bundesregierung zurück.

Kritik seitens der Pharmaindustrie

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) kritisierte den Report. So wolle die AOK mit ihrer Forderung natürlich die Preise senken, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Norbert Gerbsch. In einem ausgewogenen Report sollte jedoch auch die tatsächliche Gewinnspanne der Pharmaunternehmen benannt werden. "Von einem Arzneimittel, das in der Apotheke 11 Euro kostete, erhält der Hersteller nur rund 35 Cent", sagte Gerbsch. Der Rest des Betrags gehe in die Mehrwertsteuer und den Handel.

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