Kehrtwende

Verrückte Talfahrt: Spritpreise sinken in den Ferien

Die Spritpreise schnellen zu Beginn der Ferien für gewöhnlich in die Höhe. Aber nicht in diesem Jahr: Diesel und Benzin sind zum Teil sogar günstiger zu haben als vor Ferienbeginn. Wie kann das sein?

BenzinpreiseDie Spritpreise sind in diesem Jahr gerade zur Ferienzeit niedrig.© Rafael Classen/ fotolia.com

Frankfurt - Eigentlich ist es an Deutschlands Tankstellen ein ungeschriebenes Gesetz: Sobald die Ferienzeit beginnt, steigen die Spritpreise. Doch dieses Mal ist alles anders. Benzin und Diesel sind so billig wie seit Wochen nicht. Auch Heizölkunden können sparen. Denn am weltweiten Ölmarkt geht es wieder mal bergab. Die Öl- und Benzinlager quellen über. Doch den Öltank im Keller sollten die Verbraucher lieber heute als morgen füllen. Denn Experten bezweifeln, dass der Preisrutsch von Dauer ist.

Schulferien in Bayern und Baden-Württemberg: 7.893 Kilometer Stau

Bundesweit 7.893 Kilometer Stau - das ist die Bilanz vom Freitag vor einer Woche, als mit Bayern und Baden-Württemberg auch noch die letzten Bundesländer in die Schulferien starteten. Für die Tankstellen bedeutet die Feriensaison alle Jahre wieder ein hohes Umsatzplus. Und auf die gestiegene Nachfrage reagieren die Tankwarte normalerweise mit satten Preisaufschlägen.

Preissturz an den Tankstellen

Doch dieses Mal scheint man es mit den Autofahrern gut zu meinen. Statt die Preise anzuheben, gewähren die Tankstellen ihnen sogar Preisnachlässe. Laut Automobilclub ADAC gehen die Spritpreise seit Anfang Juni fast kontinuierlich zurück. Zuletzt lag der Preis für einen Liter Super E10 im Durchschnitt bei 1,265 Euro. Das sind knapp 6,5 Cent weniger als Anfang Juni. Ein Liter Diesel kostet demnach 1,063 Euro. Dem Internetportal "clever-tanken.de" zufolge ist Diesel in einigen Städten wie Düsseldorf und Mönchengladbach im Schnitt sogar für unter einen Euro zu haben.

Überangebot an Öl

Doch auch wer kein Auto hat, dafür aber einen Öltank im Keller, hat Gelegenheit zum Sparen. Der Grund für die niedrigen Sprit- und Heizölpreise ist ein hohes Überangebot auf dem Weltmarkt. Die Benzinlager sind ungewöhnlich gut gefüllt. "Seit Juni gibt es einen saisonuntypischen Lageraufbau bei Benzin", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. In den USA waren die Lagerbestände im Juli so hoch wie zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen nicht. Auch am wichtigsten Europäischen Knotenpunkt für Rohöl in der holländischen Region um Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, ist der Spritbestand auf Rekordniveau. Und beim Öl sieht es kaum anders aus.

Öl-Preise sinken wieder seit Anfang Juli

Das drückt auf die Preise. Dabei hatte es beim Öl nach einem starken Preisverfall von Mitte 2014 bis Anfang 2016 zwischenzeitlich wieder eine Erholung gegeben. Nach einem Preissturz von 100 auf unter 30 Dollar je Barrel (159 Liter) waren die Preise bis Juni immerhin wieder auf 50 Dollar geklettert. Seit Anfang Juli geht es aber wieder bergab in Richtung 40 Dollar.

Gründe für die Preisbewegungen

Experten sehen dafür mehrere Gründe. Der Preisanstieg zuvor sei unter anderem von kurzfristigen Effekten getragen worden, sagt Michael Wittner, Experte bei der Bank Societe Generale. Waldbrände in Kanada und Terroranschläge in Nigeria hatten zu Produktionsstopps geführt. Vor allem in Kanada habe sich die Lage aber inzwischen wieder beruhigt.

Außerdem weiten die Länder des Ölkartells Opec ihre Produktion immer weiter aus; allein im Juli um 100.000 Barrel pro Tag. Seit dem Ende langjähriger Exportsanktionen des Westens arbeiten Irans Förderanlagen wieder auf Hochtouren, im laufenden Jahr stieg die Produktion bereits um 25 Prozent. Der Erzrivale Saudi-Arabien wittert Konkurrenz und steuert mit Dumpingpreisen gegen.

Wieder mehr Förderanlagen in den USA

Gleichzeitig legt die Ölproduktion in den USA wieder zu. Seit fünf Wochen ist die Zahl der US-Förderanlagen wieder gestiegen. Zuvor hatten einige sogenannte Fracker in den USA dicht gemacht. Die in den USA weit verbreitete und wegen möglicher Folgen für Mensch und Umwelt heftig umstrittene Fracking-Technologie ist vergleichsweise teuer und die Fracker reagieren empfindlich, aber auch sehr flexibel auf Preisveränderungen.

Experten: Preise gleichen sich wieder an

Doch die niedrigen Preise an den Tankstellen und beim Heizöl dürften nicht von Dauer sein, meinen Ökonomen. Das Überangebot auf dem weltweiten Ölmarkt werde zurückgehen und spätestens im ersten Halbjahr 2017 verschwunden sein, sagt Experte Weinberg. Das sieht man bei der Internationalen Energieagentur ähnlich. Man bleibe dabei, dass sich der Markt auf ein Gleichgewicht zu bewegt, auch wenn der jüngste Preisrückgang gezeigt habe, dass der Weg dahin "weit davon entfernt ist, gleichmäßig zu sein."

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
  • Benzinpreise

    Benzin und Diesel wieder etwas teurer

    Die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen sind wieder etwas gestiegen. Den Angaben des ADAC zufolge ist der Liter Super E10 im Vergleich zur Vorwoche 0,3 Cent teurer, Diesel rund einen Cent. Grund ist der gestiegene Ölpreis.

  • geballte Faust

    Heizölpreise im Oktober deutlich gestiegen

    Die Heizölpreise sind im Oktober im Vergleich zum September um mehr als elf Prozent gestiegen. Auch die Kraftstoffpreise sind in die Höhe gegangen, wenn auch nicht so stark. Gas dagegen ist so günstig wie lange nicht mehr.

  • Benzin Preise

    Günstiger Autourlaub: Kraftstoffpreise sind gesunken

    Der Autourlaub kann kommen, denn die Kraftstoffpreise sind erneut gesunken. Aber Achtung: Natürlich sind die Preise nicht in allen an Deutschland angrenzenden Ländern gleich niedrig! Wo lohnt es sich, den Tank voll zu machen?

  • Fracking

    Steigender Ölpreis macht Fracking wieder lukrativ

    Dank steigender Ölpreise lohnt sich das Fracking in den USA allmählich wieder. Die über die umstrittene Technik geförderten Mengen hatten den Einbruch des Ölpreises mit verursacht.

  • Tankstelle

    Diesel- und Benzinpreise: Autourlaub ist 2016 günstiger

    Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, der profitiert in diesem Jahr von den niedrigen Diesel- und Benzinpreisen. Derzeit ist das Tanken vor den Ferien so günstig wie zuletzt im Sommer Sommer 2005.

Top