Strompreis

Verbraucherzentrale: Grundversorger sollen Preise senken

Der Strompreis ergibt sich durch verschiedene Komponenten. Einen gewissen Spielraum hat jeder Versorger trotz der staatlich vorgegebenen Kosten. Einer Studie der Verbraucherzentrale zufolge könnten die Preise bei den Grundversorgern in NRW deutlich günstiger sein.

Strompreis© babimu / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Die Verbraucherzentrale NRW fordert Strompreis-Senkungen in der Grundversorgung, unabhängig vom möglichen Sinken der EEG-Umlage. Denn Spielraum dafür gibt es vielerorts bereits jetzt, wie die Verbraucherzentrale aufgrund einer Langzeituntersuchung aller NRW-Grundversorgungspreise folgert.

Im Branchenschnitt sei der Stromeinkauf für die Unternehmen deutlich billiger geworden, doch bei den Kunden käme davon so gut wie nichts an. Das Ausmaß der Preissteigerungen der vergangenen Jahre sei zumindest bei den NRW-Grundversorgern keineswegs nur durch steigende Umlagen, Abgaben und Netzentgelte begründet, sondern auch dadurch, dass die Unternehmen im Branchenschnitt immer mehr Geld zur Deckung ihrer Vertriebskosten und für ihre Marge einnehmen würden.

25 Prozent über dem Branchenschnitt

Manche Grundversorger fallen zudem besonders auf, wenn man ihre Preise um alle staatlich vorgegebenen und regulierten Bestandteile wie Abgaben, Umlagen und Netzentgelte bereinigt, so die Verbraucherzentrale. Um bis zu 25 Prozent über dem Branchenschnitt sollen sie mit den verbleibenden, von ihnen selbst beeinflussbaren Preisbestandteilen liegen.

"Die Grundversorgung ist kein Tarif wie jeder andere, sondern dient auch im geöffneten Strommarkt noch der staatlichen Daseinsvorsorge", sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Die Preise müssten deshalb möglichst günstig sein und sich an den entstehenden Kosten orientieren. Letzteres gelte nicht nur, wenn die Kosten zum Beispiel durch Umlagenerhöhungen stiegen, sondern eben auch, wenn sie durch günstigeren Stromeinkauf sänken. Die Ergebnisse der Studie werden deshalb an die zuständigen Kartellbehörden weitergeleitet.

Genauer Blick auf die Margen

Untersucht wurden die Strompreise aller 106 Grundversorger des Landes an 43 Stichtagen von Dezember 2010 bis Juni 2014. Genauer in den Blick nahm die Verbraucherzentrale nur den Teil des Preises, den die Firmen beeinflussen können. Sämtliche Abgaben, Steuern, Umlagen und regulierten Entgelte zogen sie dafür ab. Übrig blieb die Unternehmensspanne, die sich aus den Kosten für den Stromeinkauf, den Vertriebskosten und der Marge zusammensetzt.

Im Branchendurchschnitt blieb die Höhe dieser Unternehmensspanne seit Dezember 2010 nahezu konstant bei rund 8,6 Cent. Sie hätte aber laut Verbraucherzentrale sinken müssen, wenn die Preisgestaltung tatsächlich streng an den Kosten ausgerichtet wäre. Denn der Stromeinkauf der Unternehmen sei im selben Zeitraum im Schnitt um etwa ein Viertel günstiger geworden. Dass die Unternehmensspanne dennoch nicht sank, bedeute, dass der Preisanteil für Vertrieb und Marge branchenweit wuchs – um beinahe ein Drittel. "Es ist kaum davon auszugehen, dass die Vertriebskosten in so kurzer Zeit so drastisch gestiegen sind", sagt Schuldzinski.

Festschreibung in der Grundversorgungsverordnung

Kunde in der Grundversorgung ist unter anderem jeder, der nie ausdrücklich einen Stromlieferungsvertrag geschlossen hat. Bundesweit sind knapp 37 Prozent der Haushalte in der Grundversorgung. Dass sinkende Kosten für den Stromeinkauf künftig direkter an die Grundversorgungskunden weitergegeben werden müssen, soll nach Auffassung der Verbraucherschützer in der aktuell diskutierten Novelle der Grundversorgungsverordnung festgeschrieben werden.

Den Stromkunden rät die Verbraucherzentrale NRW generell, den Wechsel in einen anderen Tarif zu prüfen. In einer landesweiten Aktion halten die Beratungsstellen dazu im Oktober örtliche Tarifübersichten bereit. Besonders unkompliziert ist der Wechsel über unseren Tarifrechner: Dazu muss lediglich die Postleitzahl und der Jahresverbrauch eintragen werden. Anschließend kann der passende Anbieter aus der Ergebnisliste gewählt werden.

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