Zusammenarbeit

Verbraucherzentrale bietet Gaspreis-Kontrolle bei Versorgern an

Die Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen will mehr Durchblick bei den Gaspreisen durchsetzen. Dazu bieten die Verbraucherschützer ab sofort den örtlichen Energieversorgern eine vertragliche Vereinbarung zur Preiskontrolle an. Als erster lokaler Gasversorger haben sich die Stadtwerke Lünen angeschlossen.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - In der Vereinbarung verpflichten sich die Versorger, Preisveränderungen ihrer Lieferanten offen zu legen und von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer unter die Lupe nehmen zu lassen, wie die VZ in Düsseldorf bekannt gab.

Das Verfahren sei ein Beitrag, dass die Verbraucher bei Gaspreiserhöhungen ihrer Stadtwerke "nicht über den Tisch gezogen werden", erläuterte Helmfried Meinel, Mitglied der VZ-Geschäftsleitung. Die Stadtwerke wiederum können über die Kontrolle nachweisen, dass sie nicht für Preissteigerungen verantwortlich sind, und so Verbrauchervertrauen zurückgewinnen. Denn immer mehr Gaskunden bundesweit verweigern auf Anraten der Verbraucherzentralen die Zahlung einer als ungerechtfertigt empfundenen Gasrechung. Vor dem Landgericht Hamburg klagen seit September erstmals in Deutschland Verbraucher gegen Gaspreiserhöhungen. Die Kunden des Versorgers E.ON Hanse wehren sich gegen Preisaufschläge von 25 Prozent.

Mit dem Transparenz-Verfahren will die VZ daher auch den Blick auf die großen Ferngasgesellschaften wie E.ON Ruhrgas lenken. Denn diese bestimmten zu einem erheblichen Teil die Preise und seien "die eigentlichen Profiteure des undurchsichtigen Geschäfts", sagte Meinel. Versorger, die mit den Gaslieferanten verflochten sind oder von diesen sogar wirtschaftlich beherrscht werden, sind daher von der Vereinbarung ausgeschlossen.

Als erster lokaler Gasversorger haben sich die Stadtwerke Lünen der Vereinbarung angeschlossen. "Der Dialog mit unseren Kunden ist zunehmend von starkem Misstrauen geprägt", räumte deren Geschäftsführer Achim Grunenberg ein. Doch letztlich seien die Stadtwerke in einer ähnlichen Lage wie die Verbraucher und stünden bei der Gasanlieferung an letzter Stelle.

Mittelfristig wollen die Verbraucherschützer zunächst rund 20 der etwa 200 Gasversorger in NRW zum Unterzeichnen der Vereinbarung bewegen. Die Prüfung der Unternehmen soll rückwirkend ab Januar 2003 geschehen. Damit soll vermieden werden, dass eventuelle zusätzliche Gewinne aus Gaspreiserhöhungen der jüngsten Zeit nachträglich mit der getroffenen Transparenz-Vereinbarung legitimiert werden.

Der VZ gehe es ausschließlich um eine "plausible Darlegung" der Gaspreise, betonte Meinel. Die gesamte Kosten- und Erlöslage des Versorgers stehe dagegen nicht auf dem Prüfstand. Insofern werde es auch keine Stellungnahmen geben, inwieweit Preisänderungen der Vorlieferanten, also der Ferngasgesellschaften, gerechtfertigt seien. Auch die Prüfung der Netzentgelte bleibe außer Acht.

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