Vorwurf

Verbraucherschützer vermuten Manipulation an der Strombörse

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzvb) hat in den Chor derjenigen eingestimmt, die die derzeit sehr hohen Strompreise an der EEX auf Manipulationen zurückführen. Es würde der Eindruck erweckt, als wenn die Konzerne mögliche Einnahmeausfälle aufgrund von Regulierung schon im Vorfeld kompensieren wollten.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der drastische Anstieg des Strompreises an der Leipziger Energiebörse ist nach Ansicht von Verbraucherschützer möglicherweise auf Manipulation zurückzuführen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) teilte am Mittwoch in Berlin mit, es gebe keine sachlichen Gründe für die stetig steigenden Strompreise an der Leipziger Börse, die neue ungerechtfertigte Preisaufschläge für die Haushaltskunden befürchten ließen.

"Es hat den Eindruck, als ob die Stromkonzerne Einnahmeausfällen aufgrund der Regulierung der Netzentgelte durch künstlich erhöhte Erzeugerpreise vorbeugen wollen", erklärte vzbv-Vorstand Edda Müller. Sie forderte die Aufsichtsbehörde des Leipziger Börsenplatzes auf, zu untersuchen, ob gezielte Handlungen von Unternehmen den Preisschub ausgelöst haben könnten.

Von knapp 32 Euro pro Megawattstunde im März seien die Strompreise an der Leipziger Strombörse auf rund 43 Euro gestiegen. "Die Erhöhung des Strompreises an der Handelsbörse kann nicht mit steigenden Gas- und Ölpreisen gerechtfertigt werden", sagte Müller. Lediglich etwa elf Prozent des Stroms in Deutschland würden aus Gas und Öl erzeugt.

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