Stromrechnung

Verbraucherschützer: Netzentgelte müssen transparenter werden

Die Netzentgelte kosten Stromkunden rund 240 Euro im Jahr. Experten zufolge könnte der Betrag um etwa ein Zehntel geringer ausfallen. Das Problem: Die Zusammensetzung der Netzkosten ist intransparent, nur die Regulierungsbehörden wissen darüber Bescheid, wie genau die Netzbetreiber rechnen.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Für Stromkunden müssen die Kosten für den Transport des Stroms aus Sicht von Verbraucherschützern deutlich transparenter werden. "Wer nachfragt, wie sich die Netzentgelte zusammensetzen, bekommt nur geschwärzte Papiere zu sehen", kritisierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen am Donnerstag in Berlin. Die Verteilnetzbetreiber weigerten sich, Details ihrer Berechnungen zu veröffentlichen. "Es muss dringend Licht ins Dunkel."

Hintergrund: Wofür zahlen Stromkunden Netzentgelte?

Der Strompreis hat mehrere Bestandteile. Strom selbst schlägt beim Endpreis nur mit etwa einem Viertel zu Buche. Etwa die Hälfte sind Umlagen, Steuern und Abgaben - darunter die EEG-Umlage für den Ökostrom. Das übrige Viertel der Rechnung entfällt auf den Transport, und dieses Netzentgelt steigt, unter anderem weil neue Leitungen gebaut werden müssen, etwa für Wind- und Sonnenstrom.

Was monieren die Kritiker?

Erstens: Die Vorgaben ermöglichten es Netzbetreibern, in ihren Büchern eine hohe Eigenkapitalquote anzusetzen und dieses Kapital mit einer "sehr großzügigen" garantierten Verzinsung zu versehen. So würden die Netze zu Goldeseln für Stadtwerke und Konzerne. "Das Nachsehen haben die Kunden, die überhöhte Netzentgelte zahlen, die sich auf Milliarden summieren", sagt Ingmar Streese, Bereichsleiter des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.

Zweitens: Nur die Regulierungsbehörden erfahren, wie genau die Betreiber rechnen. Eine öffentliche Kontrolle sei nicht möglich. "Fragen können Sie zwar stellen", sagt Robert Busch, der Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft. "Aber Antworten bekommen Sie nicht. Da heißt es dann "Geschäftsgeheimnis." Dabei schreibe das Energiewirtschaftsgesetz eine Veröffentlichung vor. Ähnlich sei es bei den Netzentgelten für Gas.

Welche Behörden sind involviert?

Da ist zum einen die Bundesnetzagentur. Sie genehmigt die Netzentgelte der Betreiber mit mehr als 100.000 Kunden. Die meisten der rund 900 Netzbetreiber sind kleiner, sie werden auf Landesebene reguliert. Lichtblick-Chef Lücking argwöhnt, dass vor allem dort nicht ausreichend kontrolliert wird: "In der Regel werden beide Augen zugedrückt."

Was sind die Argumente der Stromnetzbetreiber?

"Steigende Netzentgelte sind eine Folge des ungebremsten Ausbaus von Erneuerbare-Energien-Anlagen, ohne parallel dazu die Stromnetze auszubauen", heißt es beim Verband kommunaler Unternehmen, der die Verteilnetzbetreiber zu großen Teilen vertritt. So werde nun unter anderem mehr Geld ausgegeben, um Stromausfälle zu verhindern.

Die Regulierungsbehörden müssten als Mittler zwischen Verbrauchern und Netzbetreibern auftreten und die Öffentlichkeit objektiv informieren, fordert der Verband. Geschäftsgeheimnisse müssten aber gewahrt bleiben. Dies habe der Bundesgerichtshof bestätigt.

Wie hoch sind die möglichen Einsparungen?

Viele Verbraucher unterschätzen die Stromnetzkosten. Die große Mehrheit geht laut einer Umfrage von unter 200 Euro jährlich für einen Drei-Personen-Haushalt aus. Nur etwa jeder Sechste nähert sich mit seiner Schätzung dem tatsächlichen Wert von 240 Euro an. Der Chef des Stromanbieters Lichtblick schätzt, dass ein Zehntel weniger ausreichend wäre. "Verbraucher stehen - je nach Umfrage - zu 80 bis 90 Prozent hinter der Energiewende", sagt Verbraucherschützer Streese. "Aber damit das so bleibt, müssen die Strompreise bezahlbar bleiben."

Quelle: DPA

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