Verbraucher-Zentrale Hessen: Ökostrompreise weit überhöht

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Die Verbraucher-Zentrale Hessen kritisiert die Preise der derzeitigen Ökostromangebote. "Der Strom kommt aus bestehenden Anlagen umweltschonender Erzeugung und wurde bisher im Zuge des allgemeinen Strommixes zu üblichen Tarifpreisen geliefert. Die jetzt geforderten Aufpreise von oft 8 bis 10 Pfennigen je Kilowattstunde oder von rund einem Drittel müssen als weit überhöht bezeichnet werden. Private Eigenerzeuger erhalten von den Versorgern weit weniger als die Hälfte des Preises, den nach einer kurzen Transportstrecke die benachbarten Haushalte als Ökostrom-Bezieher zahlen sollen.


Wegen der geringen Leistungsgrößen und der dezentralen Verteilung der Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, der Wasserkraft-, Windkraft- und Photovoltaikanlagen ist die Transportent-fernung weit geringer als bei Strom aus umweltbelastenden Großkraftwerken auf der Basis von Kohle oder Kernenergie. Eine entfernungsabhängige Transportpreisbildung ist unerläßlich, denn die Investitionskosten der Transportleitungen und der daraus erwachsende Kapitaldienst nehmen ebenso mit der Leitungslänge zu wie die Energieverluste. Im Gegensatz dazu wird mit weitgehend entfernungs-unabhängiger Gestaltung der Transportkosten die umweltschonende Energie für Verbraucher gezielt verteuert und diskriminiert. So drängt sich der Eindruck auf, daß die lokalen Anbieter den Ökostrom nicht gewinnbringend verkaufen, sondern die Preisbildung lediglich zur Kundenverunsicherung einsetzen. So gab es schon Berichte von Unternehmenssprechern, daß bundesweit nur 4000 Kunden die Ökotarife nutzen wollten. Soll so gegen umweltschonende Energie-erzeugung Stimmung gemacht werden?


Als die Verbraucher-Zentrale Hessen ein halbes Jahr nach der gesetzlichen Marktöffnung vom April 1998 im September 1998 bei den hessischen Energieversorgern eine Umfrage zu den Transportpreisen durchführte, blieben die Antworten aus. Eine solche Verhaltensweise ist für anbietende Wirtschaftsunternehmen unter echten Wettbewerbsbedingungen unvorstellbar, zumal sich die Unternehmen längst auf die Veränderung einstellen konnten.


Aber noch immer verweigern die lokalen Netzbetreiber den Verbrauchern die Auskunft über Transportpreise des umweltschonenden Stromes. Die von der Energiewirtschaft nun dem Bundeswirtschaftsministerium vorgelegte Verbändevereinbarung ist weiterhin unvollständig. Sie zielt allerdings auf eine dauerhaft entfernungsunabhängige Vergütung und damit auf eine nachhaltige Benachteiligung der überwiegend kurzen Wege bei der Nutzung umweltschonender Energie. Das ist volkswirtschaftlich wegen der Unterbindung von Arbeitsmarktimpulsen besonders problematisch, denn beispielsweise sind mit dem Ausbau der Windkraft bis weit in das Binnenland in wenigen Jahren weit über zehntausend neue Arbeitsplätze entstanden. Im Gegensatz dazu begünstigen entfernungsunabhängige Transportpreise den Stromimport und zerstören Arbeitsplätze in Deutschland.


Die evtl. Senkung der Ökostrompreise läßt einen starken Nachfrageanstieg erwarten. Damit kann der Bau neuer inländischer Anlagen und die Schaffung von Arbeitsplätzen angeregt werden.
Zugleich würden die umweltschonend arbeitenden Stadtwerke wirtschaftlich gestärkt und die Kundentreue angeregt. Ein solcher Schritt wäre zugleich eine Bestätigung der Empfehlungen der Verbraucher-Zentrale, keinen überstürzten Wechsel der Stromlieferanten vorzunehmen.


Weitere Informationen bei der Verbraucherzentrale Hessen.

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