Atomstreit (I)

Verbände zur Diskussion um Energieträger

Die Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien Sachsen (VEE) und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordern von der Bundesregierung sich für eine langfristige Unabhängigkeit von fossilen und atomaren Energieträgern einsetzen. Der Energieabnehmerverband (VEA) fordert dagegen, die Vorschläge von Glos zu überdenken.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Dresden/Berlin/Hannover (ddp/sm) - Der aktuelle Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zeige, dass die Abhängigkeit von Gas und Öl zu politischen Konflikten führe, die Zusammenarbeit und friedliches Zusammenleben von Völkern belasteten, sagte VEE-Präsident Wolfgang Daniels in Dresden.

Deshalb solle die Bundesregierung die Nutzung erneuerbarer Energien umfassend fördern, statt über die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zu diskutieren. Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel, die Abhängigkeit Deutschlands von ausländischen Gas- und Öllieferungen zu senken, solle in die Tat umgesetzt werden. "Dazu muss eine Gesetzesinitiative zum Ausbau der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien auf den Weg gebracht werden", forderte Daniels. Zudem regte er an, Fördermöglichkeiten für Heizungsmodernisierungen mit innovativer Technik aufzustocken und neben der Solarenergie auch die Nutzung von Erdwärme und Bioenergie stärker auszubauen.

vzbv: Überflüssig und inovationsfeindlich

Als überflüssig und innovationsfeindlich bezeichnet der vzbv die Debatte über eine Zukunft der Atomenergie. "Wir brauchen keine neue Diskussion über die Atomenergie, sondern einen konsequenten Einstieg in eine Energiepolitik jenseits von Öl, Gas und Atom", fordert Dr. Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter des vzbv. Die stark gestiegenen Strom- und Gaspreise, die Rekordpreise bei Heizöl und Benzin und der aktuelle Konflikt um Gaslieferungen aus Russland verlangten die Umsetzung der Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag. Eine Verlängerung der Restlaufzeiten von Atomkraftwerken sei innovationsfeindlich und bedeute ein Ausbremsen von Zukunftstechnologien.

Die von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos entfachte Atomdebatte werde sich nach Ansicht des vzbv als "paradoxe Intervention" herausstellen. "Die Verbraucher wollen nicht länger den großen Energiekonzernen ausgeliefert sein, sondern ihre Anbieter frei wählen, Solarenergie und beispielsweise Holzfeuerungen nutzen und Energie sparen", so Krawinkel. U m dies zu erreichen, müssten die im Koalitionsvertrag genannten Ziele umgesetzt statt angezweifelt werden. Da heißt es unter anderem: "Wettbewerb nach innen und außen entfachen", "Marktpotentiale erneuerbarer Energien auch im Wärmebereich erschließen" oder "das riesige Potenzial zur wirtschaftlichen Energieeinsparung nutzen".

VEA: Deutschland kann auf Kernenergie noch nicht verzichten

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer e. V. (VEA) unterstützt die Forderung des Bundeswirtschaftsministers Glos, den Atomausstieg zu überdenken. Der Verband, fordert seit langem eine Verlängerung der Laufzeit für deutsche Kernkraftwerke. "Nicht erst der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine beweist, dass Deutschland seine Stromversorgung auf eine breite Basis mit möglichst vielen Bezugsquellen stellen muss. Das erfordert den Einsatz aller Energieträger, und dazu gehört gegenwärtig auch und gerade die Kernkraft", so Manfred Panitz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des VEA. "Das ist keine Frage der Ideologie, sondern der Versorgungssicherheit und langfristig stabiler Preise als erheblichem Wirtschaftsfaktor. Sie erfordern einen breiten, soliden Energiemix."

Weiterführende Links
Das könnte Sie auch interessieren
  • Erde

    Studie: Mehr Geld für konventionelle Energien als für Ökostrom

    Einer Kurzanalyse zufolge werden konventionelle Energien im kommenden Jahr deutlich stärker gefördert als erneuerbare Energieträger. Demnach läge eine Umlage für Atom- und Kohlestrom deutlich über der EEG-Umlage.

  • Vattenfall

    Vattenfall klagt in Washington gegen den Atomausstieg

    Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg ist für mehrere Energieunternehmen ein Grund vor Gericht zu ziehen. Die Klage, die der schwedische Energiekonzern Vattenfall eingereicht hat, wird in den USA verhandelt.

  • Strom sparen

    Versorgungssicherheit soll Thema beim nächsten EU-Gipfel werden

    Österreich will während seiner EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 die Energieversorgungssicherheit als Schwerpunktthema behandeln. "Das Thema wird auch auf dem EU-Gipfel im März auf der Tagesordnung stehen", sagte der amtierende Ratspräsident und österreichische Wirtschaftsminister Bartenstein.

  • Energieversorung

    Gaskonflikt: dena setzt auf Energieeinsparung

    "Deutschland braucht noch mehr Energieeffizienz, eine effiziente Nutzung von regenerativen Energiequellen und die schnelle Entwicklung von kohlendioxid-neutralen Kohletechnologien", kommentierte Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) heute die aktuelle Situation.

  • Strompreise

    Atomstreit heizt sich weiter auf

    Der Streit um die Nutzung der Atomenergie bringt der großen Koalition weiteren Unfrieden. Während u.a. CSU-Generalsekretär Markus Söder eine neues Energiekonzept forderte, halten u.a. Staatssekretär Michael Müller (SPD) und der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA) am Atomausstieg fest.

Top