Kostenverlagerung

Verbände kritisieren neue Stromumlage scharf

Sozial- und Wirtschaftsverbände haben eine neue Umlage für Stromkunden zu Lasten von Normalverbrauchern und kleinen Betrieben scharf kritisiert. Es sei nicht akzeptabel, dass die Stromkosten für die Verbraucher stiegen, während in gleichem Maß die Industrie entlastet werde.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (AFP/red) - Das sagte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, der "Frankfurter Rundschau vom Montag. Das Verlagern bestimmter Kosten von Großverbrauchern auf die Haushalte verletzte "eklatant soziale Grundsätze".

Großkunden entlastet, Kleinkunden zahlen

Die Bundesregierung hatte im Sommer im Zuge des Atomausstiegs zunächst weitgehend unbemerkt eine Änderung der sogenannten Stromnetz-Entgeltverordnung (StromNEV) beschlossen. Nach Berechnungen der vier Übertragungsnetz-Betreiber verteuert dies die Stromrechnung kleiner Verbraucher zum Teil deutlich. Großkunden werden mit der Regelung teils komplett von den Gebühren für den Stromtransport befreit.

Bisher galt für sie meist ein vergünstigter Satz, den Normalverbraucher auch schon jetzt ausgleichen müssen. Die Rabatte fielen bislang von Region zu Region recht verschieden aus, weshalb der künftig fällige Aufpreis nun ebenfalls unterschiedlich hoch ist. Für einen Durchschnittshaushalt kann sich die Stromrechnung pro Jahr aber um bis zu 30 Euro verteuern.

Auch kleinere Unternehmen legen drauf

Da auch kleine und mittlere Unternehmen die Mehrkosten der Stromumlage tragen müssen, regt sich auch bei Wirtschaftsverbänden Widerstand gegen die Regelung. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VDK), Hans-Joachim Reck, nannte die Ausnahmen in der "FR" "sozial problematisch". Der Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, sagte der Zeitung, die neue Regelung sei "ein fatales Signal für die Privathaushalte und den gewerblichen Mittelstand".

Quelle: AFP

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