Boom gefährdet

Verbände drängen auf Rücknahme der Mittelkürzungen für die Solarenergie

Die Mittelkürzungen, die Bundeswirtschaftminister Werner Müller im Juli für Solaranlagen angekündigt hat, gefährden die gesamte Solarbranche. Aus diesem Grund fordern die Verbände die Regierung auf, die Zukunft der Solarenergie langfristig zu sichern.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Umwelt- und Unternehmerverbände haben die Bundesregierung zur Rücknahme der Kürzungen bei der Solarenergie aufgefordert. "Die Tür zum Solarzeitalter darf nicht zugeschlagen werden", forderte Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) heute auf einer Pressekonferenz des Verbandes in Berlin. Als Folge der Kürzungen seien im August beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein Drittel weniger Anträge auf Solaranlagen als im Vormonat gestellt worden. Für den Herbst rechnen Solarunternehmen mit Umsatzrückgängen und Stellenstreichungen. "Die Regierungsfraktionen müssen in den laufenden Haushaltsverhandlungen die Zukunft der Solarenergie sichern und die Mittel dem Bedarf anpassen", so Körnig weiter.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat im Juli überraschend den Etat für Solaranlagen von 300 Millionen Mark im laufenden Jahr auf 170 Millionen Mark in 2002 reduziert. Mit sofortiger Wirkung senkte Müller den Förderhöchstsatz pro Quadratmeter einer Solaranlage von 325 Mark auf 170 Mark. Stellvertretend für die Situation in der Solarbranche steht der Kollektorhersteller SOLVIS ENERGIESYSTEME GmbH. Angesichts der ungewissen Aussichten hat das Braunschweiger Unternehmen die geplanten Investitionen in eine Produktionserweiterung in Höhe von zwei Millionen Mark zunächst zurückgestellt. "Nach unserer Marktbeobachtung verringert sich das Wachstum von 40 Prozent in diesem Jahr auf fünf Prozent in 2002", sagte SOLVIS-Geschäftsführer Helmut Jäger. "SOLVIS wird die ersten Auswirkungen der Kürzungen im Oktober zu spüren bekommen. Dann sind die Aufträge vom Sommer abgearbeitet." Wenn SOLVIS seine Aktivitäten im Solarbereich langfristig reduzieren müsse, werde es zu Personaleinsparungen bei Lieferanten und Dienstleistern kommen. Auch die Nordwest Handel AG, einer der bedeutendsten deutschen Großhändler im Bereich Haustechnik, rechnet mit Umsatzrückgängen ab Spätherbst. "Langfristig kann sich der Solarmarkt selbst tragen", so Hauptbereichsleiter Hans-Arno Kloep. "Dieser Punkt wird aber nicht erreicht, wenn die Kunden in der Anlaufphase durch kurzfristige Mittelstreichungen verunsichert werden."

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