VEAG: Vorerst gerettet

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com
Die Zukunft der angeschlagenen Vereinigte Energiewerke AG (VEAG) scheint vorerst gesichert. Am vergangenen Dienstag vereinbarten die Eigentümer (VEBA/VIAG, RWE, VEW, HEW, EnBW und BEWAG) einen Finanzierungsplan, der dem Unternehmen ein wenig Luft im Kampf auf dem liberalisierten Strommarkt verschaffen soll. Die Gesellschafter werden der VEAG ein Darlehen von einer Milliarde Mark zur Verfügung stellen. Allgemein werden in den kommenden sieben Jahren Umsatzeinbußen von etwa vier Milliarden Mark erwartet.


Der Grund: Der VEAG-Strom wird ausschließlich in Braunkohlekraftwerken produziert und ist deshalb zu teuer. Nach der Wende investierte der Stromkonzern einen Betrag in zweistelliger Milliardenhöhe in neue Braunkohlekraftwerke. Obgleich die Kraftwerke nun alle auf dem neusten Stand sind, leidet die VEAG unter den immensen Kapitalkosten. Wäre die Liberalisierung fünf Jahre später durchgesetzt worden, sehe es für das Unternehmen weitaus besser aus. Dann wären nämlich die Abschreibungen gesunken und mit den hochmodernen und effizienten Kraftwerken könnte die VEAG ihren Preisvorteil nutzen.


Deshalb scheint das Darlehen der Gesellschafter fast nur ein "Tropfen auf den heißen Stein" zu sein. VEAG-Chef Jürgen Stotz sagte nach der Aufsichtsratssitzung, dass der Finanzierungsplan den zu erwartenden Umsatzrückgang dieses Jahres abfangen solle. Dieser liegt bei etwa 40 Prozent. Ob den 6200 VEAG-Mitarbeitern und den etwa 15 000 Arbeitern in ostdeutschen Braunkohlekraftwerken damit geholfen werden kann, bleibt fraglich. Zu der Situation der Arbeitskräfte und zum geplanten Arbeitsplatzabbau wollte sich die Unternehmensleitung nicht äußern.


Die Gesellschafter der VEAG erwarten zudem Unterstützung von der Bundesregierung. Der Aufsichtsrat hat eine Umlage auf das bundesdeutsche Netz von 0,2 Pfennig pro Kilowattstunde vorgeschlagen. Dieser Betrag könnte die VEAG jährlich mit 800 000 Millionen Mark entlasten und so die Stabilität des Unternehmens sichern. Denn die Gesellschafter, die großen westdeutschen Stromkonzerne, wollen vorerst auf Zeit spielen. Bei VEBA/VIAG und RWE/VEW ist es ohnehin nicht klar, ob die Kartellbehörde nach den geplanten Fusionen ein Engagement im Osten überhaupt noch zulassen wird. Hinzu kommt, dass sich die Unternehmen vor allem europaweit, aber auch weltweit orientieren und somit die VEAG immer uninteressanter wird. Und: Es gibt ausländische Konzerne, wie etwa "Tractebell" oder "Southern Company", die Interesse an der VEAG bekundet haben.

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