VEAG: Bieterfrist läuft heute ab - Jetzt geht es um alles

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Heute um Punkt 17 Uhr ist Deadline: Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle VEAG-Interessenten ihre Gebote für einen Kauf des größten ostdeutschen Braunkohleverstromers beim Bundeswirtschaftsministerium abgegeben haben. Bis zum 13. Dezember soll dann der Verkauf des finanziell-angeschlagenen Unternehmens über die Bühne gegangen sein.


Im Vorfeld hat gestern der Berliner Senat angekündigt, seine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf der E.ON-Anteile am Berliner Energieversorger Bewag an die Hamburgischen Electricitäts Werke (HEW) und Partner Vattenfall zurück zu ziehen. Der dazugehörige Vertrag wurde heute von den Vorstandschefs Lars Josefsson (Vattenfall), Manfred Timm (HEW) und Hans-Dieter Haring (Eon Energie) sowie die Senatoren Peter Kurth (Finanzen) und Wolfgang Branoner (Wirtschaft) unterzeichnet. Dafür soll E.ON allerdings mehrere Bedingungen erfüllen: Dazu gehört beispielsweise die schrittweise Schaffung von 340 Arbeitsplätzen in Berlin und eine Ausgleichszahlung von 70 Millionen DM zur Abgeltung von bisher nicht erfüllten Arbeitsplatzzusagen. Die HEW soll die Pflichten von E.ON übernehmen und drei Aufsichtsratmitglieder der Bewag auf Vorschlag des Landes bestellen. Damit gibt der Berliner Senat grünes Licht für die Übernahme der Bewag-Mehrheitsanteile durch die HEW und schafft eine Voraussetzung dafür, dass HEW, Vattenfall und Bewag ein gemeinsames Gebot für die VEAG abgeben können, um eine "Vierte Kraft" auf dem deutschen Strommarkt zu schaffen. Die HEW hat die Entscheidung des Senats in einer ersten Stellungnahme begrüßt. Der Hamburger Stromanbieter erwartet nun, dass auch der Konkurrent um die Bewag-Anteile Southern Energy, der den Verkauf ebenfalls mit einer einstweiligen Verfügung blockiert, seine Vorbehalte "im Interesse Berlins" aufgibt.


Der amerikanische Bewag-Anteilseigner Southern Energy hat bisher alle Angebote für eine Zusammenarbeit mit HEW und Vattenfall abgelehnt. Auch die gestrige Entscheidung des Senats hat offensichtlich nichts an der Position geändert, denn der Deutschland-Chef von Southern Energy, Jason Harlan, hat angekündigt, dass die einstweilige Verfügung weiter aufrecht erhalten wird. Anstatt mit HEW und Vattenfall zusammen zu arbeiten, unterstützen die Amerikaner die Bewag bei einem eigenen Gebot für die VEAG, gleichwohl Harlan nach wie vor Bereitschaft zu einem Konsens zeigte. Mit den richtigen Bedingungen sei man bereit, ein gerichtliches Verfahren zu umgehen, so der Manager.


Noch ist eine Einigung nicht in Sicht und das schadet vor allem der VEAG. Der Braunkohleverstromer hat in den vergangenen Jahren Milliarden in die Modernisierung der Kraftwerke investiert und sitzt jetzt auf einem Schuldenberg. Ein erfolgreicher Verkauf wäre für die gesamte Braunkohleindustrie in Ostdeutschland (über)lebenswichtig. Die Brisanz hat auch das Bundeswirtschaftsministerium erkannt und sich in den Verkauf der 81,25 Prozent VEAG-Anteile eingeschaltet. Der Käufer muss sich verpflichten, mindestens 50 Terawattstunden Strom pro Jahr aus Braunkohle zu erzeugen.


Für wenn sich der ehemalige VEAG-Manager und jetzige Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) entscheiden wird, bleibt weiter offen. Unklar bleibt auch, ob die Energie Baden-Württemberg (EnBW) noch Chancen auf einen Erwerb von VEAG-Anteilen hat. Das Unternehmen hatte vor einigen Wochen dafür eine klare Absage des Bundeskartellamts kassiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute, dass das Anliegen jedoch erneut geprüft würde. Als weitere Bieter kommen außerdem die spanische Endesa, die italienische Enel und die amerikanische AEP in Frage.

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