"Es fehlt eine Aufsicht"

VEA: Strompreis belastet Wirtschaftsstandort Deutschland

Düstere Zahlen hat der Bundesverband der Energie-Abnehmer vorgelegt: Mittelständische Industriekunden zahlen durchschnittlich satte 15 Prozent mehr für ihren Strom als noch vor einem Jahr. In Ostdeutschland sind die Preise immer noch teurer als im Westen. Rat des VEA: Alternativangebote einholen und selbst bei Preisgleichheit wechseln.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Strom ist für mittelständische Industriekunden Im Januar 2004 im Durchschnitt 15,1 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Strompreisvergleichs für Sondervertragskunden des Bundesverbands der Energie-Abnehmer e.V. (VEA), Hannover. "Die dramatisch gestiegenen Großhandelspreise für Strom werden von der Versorgungswirtschaft einfach auf die Kunden abgewälzt", so Dr. Volker Stuke, Geschäftsführer des VEA. Eine Vielzahl von Unternehmen bezahle mittlerweile deutlich mehr als zu Monopolzeiten.

Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten seien diese Zahlen ein schockierendes Zeichen: "Der Wettbewerb auf den deutschen Energiemärkten kocht auf Sparflamme. Vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierung ist es alarmierend, dass deutsche Unternehmen innerhalb der EU mit Ausnahme von Italien die höchsten Strompreise zu entrichten haben", so Stuke. Innerhalb von zwei Jahren habe sich der Energiemarkt von einem Käufer- in einen Verkäufermarkt verwandelt. "Nur die Nachfrageseite kann das zarte Pflänzchen des Wettbewerbs noch am Leben erhalten", so Stuke weiter. Daher empfehle der VEA allen Unternehmen, beim Vertragsabschluss Alternativangebote einzuholen und auch bei Preisgleichheit den Versorger zu wechseln.

Erhebliche regionale Unterschiede

Der aktuelle VEA-Strompreisvergleich untersucht 50 Netzgebiete, in denen etwa zwei Drittel des deutschen Stromverbrauchs anfallen. Ermittelt werden die von den Kunden zu erzielenden Komplettpreise vor Steuern. Nach wie vor ist der durchschnittliche Strompreis in den neuen Bundesländern mit 8,13 Ct/kWh deutlich über dem mittleren Preis in den alten Bundesländern (7,53 Ct/kWh). Die günstigsten Netzgebiete sind derzeit Stadtwerke München, EWR Worms und GEW RheinEnergie.

Die teuersten Versorger in den alten Bundesländern sind Avacon (Niedersachsen), e.on Hanse Rendsburg und EAM Kassel. Die teuersten Versorgungsgebiete in Ostdeutschland und auch insgesamt sind TEAG Erfurt, Avacon (Sachsen-Anhalt) und Wemag Schwerin.

Verantwortlich für das Preisgefälle sind vor allem die deutlich höheren Netznutzungsentgelte in den neuen Bundesländern. "Die derzeitigen Differenzen bei den Netznutzungsentgelten von über 100 Prozent zwischen einzelnen Netzbetreibern sind nicht nachzuvollziehen und müssen umgehend von der neuen Regulierungsbehörde beseitigt werden", bekräftigt Stuke. Der bisher übliche Missbrauch einer Reihe von Netzbetreibern sei maßgeblich durch die fehlende Aufsicht verursacht. Hier trage die Regierung eine erhebliche Verantwortung und stehe in der Bringschuld, endlich die Rahmenbedingungen für einen fairen und funktionierenden Wettbewerb zu schaffen.

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