Solar-Förderung

VDN: Vergütungen für Solarstrom steigen / VDEW: Förderung umstellen

Solarenergie kostet die deutschen Stromkunden in den Jahren 2004 bis 2006 voraussichtlich gut eine halbe Milliarde Euro mehr als bislang angenommen. Der Verband der Netzbetreiber (VDN) erwartet, dass sich die Vergütungen für Solarstrom für diesen Zeitraum auf rund 1,4 Milliarden Euro belaufen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

München (ddp/sm) - Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" vorab berichtete, rechnet der VDN für 2004 mit 283 Millionen Euro, für 2005 mit 507 Millionen Euro und für 2006 sogar mit 634 Millionen Euro.

Diese Schätzung liege deutlich über der Prognose des VDN vom Februar dieses Jahres, schrieb das Blatt. Damals habe der Verband die Vergütungen für 2004 mit 204 Millionen Euro, für 2005 mit 280 Millionen Euro und für 2006 mit 395 Millionen Euro beziffert. Grund für die steigenden Kosten sei, dass die Zahl der Solarstromanlagen aufgrund der Förderung noch stärker steigt als angenommen. Die Vergütungen für Fotovoltaikstrom bezahlen die deutschen Verbraucher über ihre Stromrechnung.

Unterdessen berichtet "Der Tagesspiegel am Sonntag", dass bei einer Umstellung der bisherigen Förderpraxis die deutsche Volkswirtschaft jährlich rund 5,5 Milliarden Euro einsparen könnte. Das gehe aus dem Gutachten eines Energie-Experten im Auftrag des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hervor, das Ende Oktober offiziell vorgestellt werden soll.

Das Gutachten sei allerdings umstritten, da der VDEW bereits seit längerem eine Abkehr von der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fordert. Denn das sieht eine Abnahmepflicht der alternativen Energien durch die Stromkonzerne zu festen Vergütungssätzen vor. Stattdessen will der Verband ein so genanntes Integrationsmodell einführen. Dabei müssten sich die Anbieter von erneuerbaren Energien selbst um den Absatz kümmern. Auf diese Weise sollen sich die rentabelsten Anbieter durchsetzen.

Unabhängige Experten bezweifeln in der Zeitung allerdings die Aussagefähigkeit der Studie. Sie sehen Gefahren für Arbeitsplätze, vor allem im Mittelstand der zumeist noch jungen Branche. Zudem könnte der Ausbau von erneuerbaren Energien dadurch gebremst werden.

Das Bundesumweltministerium verteidigte die Förderpraxis nach dem EEG. "Der VDEW versucht offenbar ein Modell auf den Markt zu werfen, dass bereits vor einigen Monaten an Widersprüchen in den eigenen Reihen gescheitert ist", urteilte eine Sprecherin am Sonntag. Das EEG sei weltweit nicht nur das erfolgreichste Instrument zur Markteinführung erneuerbarer Energien, sondern auch das kostengünstigste, betonte sie.

Eine Förderpraxis, wie vom VDEW gefordert, führe zu vergleichsweise geringem Erfolg und zu höheren Kosten für den Verbraucher. In Spanien, wo es eine dem EEG ähnlich Förderung gebe, und in Deutschland werde der Strom aus erneuerbaren Energien am billigsten produziert. Die Förderung belaste die Haushalte lediglich mit rund 1,40 Euro pro Monat.

Der Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) kritisiert die Studie als Ausgrenzung der erneuerbaren Energien und "unwissenschaftliches Gefälligkeitsgutachten". Geschäftsführer Milan Nitzschke: "Passend zu den Koalitionsgesprächen in Berlin servieren die Energiekonzerne der Politik eine vermeintlich billigere Variante der Erneuerbare-Energien-Förderung. Die Wahrheit ist: Das sogenannte Integrationsmodell ist ein Ausgrenzungsmodell. Solarstrom, Erdwärme, nachwachsende Rohstoffe und bäuerliche Biogasanlagen fallen dabei einfach aus der Förderung raus. Übrig bleiben Windstrom und Wasserkraft, das aber zu einem höheren Preis." Der konventionellen Elektrizitätswirtschaft gehe es in Wirklichkeit nicht darum, Kosten zu sparen. Ziel der Konzerne sei vielmehr, den Einstieg in dezentrale und vom Verbraucher selbst produzierbare Erneuerbare Energien aus Gründen der eigenen Profitmaximierung und aus Angst vor Tausenden zukünftigen Wettbewerbern auszubremsen.

Entgegen der Behauptung der Energiewirtschaft, damit ließen sich Kosten senken, rechnet der BEE vor: "Das VDEW-Modell wäre allein in diesem Jahr 800 Millionen Euro teurer als das erfolgreiche Erneuerbare-Energien-Gesetz." Grund seien erhebliche Mitnahmeeffekte, wie sie bei den ähnlichen Fördersystemen in Großbritannien und Italien zu beobachten seien. Dort lägen die Preise beispielsweise für Windstrom um 20 bis 80 Prozent höher als in Deutschland. "Die Mitnahmeeffekte streichen die Energiekonzerne ein – in Großbritannien insbesondere die deutschen Unternehmen E.on und RWE, die im eigenen Land nichts von Erneuerbaren Energien wissen wollen", so Nitzschke und verweist auf das inetrnationale Ansehen des EEG.

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