Schlagabtausch

VDEW reagiert auf Selbstbedienungsvorwurf der Verbraucherverbände

Der VDEW hält die Zahlen, mit der die Verbraucherverbände ihren Selbstbedienungsvorwurf in Richtung Energiebranche untermauern für "schlicht falsch". Die Zahlenspiele, nach denen die deutschen Haushalte jährlich fünf Milliarden Euro zu viel für Strom bezahlen, seien irreführend und nicht nachvollziehbar.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Strompreise für die Abnehmer aus Industrie und Gewerbe liegen ebenso wie die für private Stromkunden in Deutschland deutlich höher als im EU-Vergleich. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) spricht davon, dass die deutschen Haushalte deshalb jährlich rund fünf Milliarden Euro zu viel bezahlen. Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) und die darin vertretenen Stromversorger dagegen halten diese Zahlen für "schlicht falsch".

Erneut angefacht wurde der Disput erst jüngst durch die Ankündigung von Vattenfall Europe zu geplanten Preiserhöhungen im Höchstspannungsnetz, die letztlich auch auf die Strompreise durchschlagen würden. Der Schritt wird vor allem mit den "überproportional steigenden Aufwendungen" für den Ausgleich der stark schwankenden Einspeisung von Windenergie begründet. vzbv-Vorstand Edda Müller sprach von "Selbstbedienungsmentalität" der Stromkonzerne. Diese bereicherten sich auf dem Rücken der Verbraucher und wollten vor dem verspäteten Start der Regulierungsbehörde offenbar noch einmal kräftig zulangen.

Diese Vorwürfe will der VDEW nicht auf sich sitzen lassen. In einem der Wirtschaftsnachrichtenagentur ddp vorliegenden Brief an vzbv-Chefin Müller kritisiert Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller deren "Zahlenspiele" als irreführend und nicht nachvollziehbar. Die deutschen Entgelte für die Nutzung der Stromnetze seien nicht überhöht. Zudem seien sie seit der Liberalisierung 1998 "weitgehend stabil". Es würden Äpfel mit Birnen verglichen, wenn Müller aus dem EU-Benchmarktbericht einfach die niedrigsten europäischen Werte herausgreife und daran die deutschen Netznutzungsentgelte messe. Damit werde locker eine Differenz von drei Cent je Kilowattstunde konstruiert, um auf die plakative Summe von fünf Milliarden Euro zu kommen.

Meller hält dem Verbraucherverband vor, dass für die Entgelte die Strukturfaktoren Deutschlands maßgeblich seien, nicht die von Skandinavien. Der Stromverbrauch liege dort zwei- bis viermal höher als in Deutschland. Diese starke Auslastung führe zu entsprechend geringeren spezifischen Entgelten. Auch die unterschiedliche Kundendichte, der Verkabelungsgrad und vor allem die Versorgungsqualität hätten Einfluss auf den Preis. Ein Zurück zu Freileitungen statt Erdkabel komme doch wohl nicht in Frage. Auch innerhalb der Bundesrepublik gebe es aus den genannten Gründen keine Einheitswerte.

Der VDEW stimmt nur in einem Punkt mit den Verbraucherverbänden überein: Die Stromrechnungen der deutschen Haushalte könnten deutlich niedriger sein. Ein Musterhaushalt zahlt 2004 laut VDEW rund 52 Euro im Monat für Strom. Dabei beläuft sich der vom Staat kassierte Anteil auf 40 Prozent oder rund 20 Euro. 1998 lagen die entsprechenden Werte noch bei 25 Prozent oder rund 12 Euro. Der reine Strompreis liegt nach dieser Berechnung im laufenden Jahr noch immer fast 20 Prozent unter dem Wert von 1998.

Von ddp-Korrespondent Heinz Simon

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